Also die Zahl der rechten Demonstranten heute ist auf jeden Fall größer geworden. Bewegte es sich die vorherigen Male zwischen 60 und 70, so wurden heute 175 gezählt. Was konnten die Mindener entgegensetzen? Wieder 1500 Gegendemonstranten? Ich denke dieses Mal waren es nicht mal so viele. Während der Gegendemo wurde von Podium die Zahl 500 genannt. Der erste Bericht auf MT-Online spricht von 900. Dabei wohl auch viele Nicht-Mindener, die extra für die Gegendemo angereist waren. Das ist sicherlich löblich, senkt aber die Zahl rein mindener Gegendemonstranten nochmals.

Geht die Taktik der Braunen langsam auf? Provozieren, bis es allen egal ist und sie dann tun und lassen können was sie wollen?

Viele meinen, man müsste sie einfach nur ignorieren, dann gehen sie schon wieder weg. Ein Redner der Gegendemo meinte dazu, dass diese Taktik nicht funktioniert und wir ja schon wissen wohin dies geführt hat. Ein anderer Redner erzählte als Metapher eine Kindheitserinnerung wo seine Mutter ihm riet vor den beängstigenden Schatten an der Wand die Augen zu schließen – die Schatten aber viel größer waren, als er die Augen wieder öffnete. „Aktiv ignorieren“ war das Motto der Gegendemo wohl auch deshalb heute. Ganz hat das nicht geklappt.

Die „bürgerliche“ Demo startete an der Marienkirche, zog dann zum Zentrallager, wo weitere Kundgebungen stattfanden. Dies verlief friedlich und ohne Zwischenfälle, fast langweilig. Also da kann man ruhig mitlaufen. Hätte auch eine Jack-Wolfskin Werbeveranstaltung seien können, denn ich hatte den Eindruck jeder dritte hatte so eine Jacke an (ich auch :-) ).

Wer mehr Aktion brauchte, musste sich zu den jugendlichen Antifaschisten ans Wesertor stellen. Einer von ihnen redete auch am Zentrallager vom Podium, zählte Grabschändungen und die Vorstrafen von Mitgliedern der Rechten auf. Statt der symbolischen Straßensäuberung nach der Neonazi-Demo rief er zum „Nazis von der Straße fegen auf“. Schließlich haben wir 60 Jahre lang hinter den Nazis her geräumt, meinte er.

Nach der Rede von Bürgermeister Buhre, wo er noch mal zu gewaltfreien Gegendemo aufrief, ging ich mal kurz zum Wesertor, wo die Neonazis auf der Weserbrücke angekommen waren. Auf der Weserbrücke also die Neonazis und am Wesertor die Antifa und andere Gruppen. Dazwischen eine Polizeiabsperrung. Hier war vom aktiven Ignorieren nichts zu spüren. Hier wurden von beiden Seiten Parolen über die Straße gerufen. Zum Beispiel „Haut ab, haut ab, ich muss meinen Rausch ausschlafen.“ ?-) Da habe ich dann auch keine Fotos gemacht, weil einige sich mit Schals, Kapuzen und Sonnenbrillen vermummt hatten. Die wollten wohl nicht abgelichtet werden, auch nicht auf einem Massenfoto.

Mein Kommentar:

Viele wollen die Neonazis nicht hier in Minden, gehen aber nicht zu den Gegendemos. Das nenne ich „Aktiv Ignorieren“.

Menschen, die vielleicht keine aktiven Neonazis sind, aber doch einige ihrer Parolen verinnerlicht haben, werden durch das mangelnde Interesse der Bürger ermutigt zu undemokratischem und unsozialem Verhalten. So zum Beispiel erst kürzlich meiner Frau widerfahren im Supermarkt, als jemand etwas ausländerfeindliches zu ihr gesagt hat. Warum traut der sich so etwas wohl an so einem Ort?

Klar kosten die Demos eine Menge Steuergeld. Aber die Behörden haben trotz Kritik die Neonazi-Demo genehmigt. Und wenn die Sache schon mal beschlossen ist, kann man auch hingehen, also zur Gegendemo natürlich. Es wird nicht billiger, wenn man weg bleibt. Die Polizei hatte da heute auch noch ein paar Stehplätze frei gehalten. Der Protest sollte nicht nur von überaktiven, jugendlichen Antifa-Gruppen ausgehen, sondern von der breiten Masse der Bürger.

Gegendemozug von Marienkirche zum GrimpenwallGegendemozug von Marienkirche zum GrimpenwallMutter mit Kind - Multi-Kulti gegen RechtsAm GrimpenwallBürgermeister Buhre ist nicht erfreut über die NeonazisNeonazis auf Brücke aus Sicht der BürgerdemoAutonome am Wesertor

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