Die Angst der (deutschen) Facebook-Benutzer
Im ersten Teil habe ich über meine Verwunderung berichtet über Teilnehmer eines öffentliches Aufzuges, die sich auf einer solchen Veranstaltung exponieren in dem sie sich u.a. kostümieren, aber trotzdem Fotografen misstrauisch gegenüber stehen, als ein Ausdruck von Angst vor der Veröffentlichung eines Bilddokumentes im Internet. Wobei hier wohl besonders das soziale Netzwerk “Facebook” als Schreckgespenst gesehen wird und als Synonym für das World Wide Web (WWW) bzw. das Internet benutzt wird.
Nun habe ich kürzlich auf Facebook eine andere Variante der “German Photo Angst” kennen gelernt und dies von den ach so bösen Facebook-Benutzern selber. Da gab es auf Facebook eine öffentliche Gruppe, die schnell auf 5.000 Mitglieder hochgeschossen ist. In dieser tauschten Mindener ihre Kindheitserinnerungen aus. Unter anderem wurden dort auch alte Fotos mit Mindener Stadtansichten, Sehenswürdigkeiten, Volksfesten eingestellt. Auch alte Firmenlogos oder Produkte, die mit Erinnerungen verbunden waren. Der Initiator und alleinige Administrator der Gruppe fühlte sich durch die explosionsartig gewachsene Teilnehmerzahl überfordert. Auch, aber nicht nur, weil er Bedenken hatte zum Thema Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht bei den hochgeladenen Fotos. Er machte die Gruppe wieder dicht. So schade dies für die ca. 5.000 Gruppenmitglieder auch war, denn diese wollten hauptsächlich nur ihre Kindheitserinnerungen auffrischen und austauschen, so konnte man doch sehen, dass das böse Facebook sich durch die Teilnehmer selbst reguliert hatte, denn der Administrator ist auch nur ein einfacher Facebook-Benutzer und auch alle, die ihn wohl mit guten oder weniger guten Ratschlägen bedacht hatten.
Nun gibt es nicht nur eine Gruppe mit dem Wort “Minden” im Titel und so wanderten viele einfach weiter. Auch ich trat der Gruppe “Freunde kennenlernen in Minden” bei (zur Zeit weit unter 1.000 Mitglieder). Hier hat man wohl aus dem Intermezzo der jetzt geschlossenen Gruppe zu lernen versucht und so gibt es in dieser Gruppe mehrere Administratoren und einige Restriktionen, geprägt u.a. natürlich auch durch die “German Photo Angst”. Ausdrücklich wird in der Gruppenbeschreibung und auch in einem extra aufgesetzten Regelwerk betont, dass, wenn überhaupt, nur selbst geschossene Bilder hochgeladen werden dürfen. Das ist ja auch richtig. Man darf halt keine Fotos von irgendwoher “klauen” und dann irgendwo anders wieder ungefragt veröffentlichen. Das gilt allgemein so in Deutschland, auch im Internet und auch bei Facebook, wobei dies auch noch einmal ausdrücklich in den Facebook-Nutzungsbedingungen steht, denen jeder zustimmen muss, wenn er Facebook beitreten will:
“Du wirst keine Inhalte auf Facebook posten oder Handlungen auf Facebook durchführen, welche die Rechte einer anderen Person oder das Gesetz verletzen.”
Damit ist dann nicht nur das Urheberrecht gemeint, sondern auch alle anderen Rechte und Gesetze, zum Beispiel Persönlichkeits- oder Verwertungsrechte.
Die Angst wegen eines Bildes Ärger zu bekommen geht also nicht nur unter denen um die fotografiert werden. In dem oben genannten Beispiel sind es auch die Administratoren von Facebook-Gruppen. Stellt sich die Frage: Können Facebook-Gruppenadministratoren wegen eines Bildes, das ein anderer Facebook-Benutzer eingestellt hat, belangt werden? Und wenn es mehrere Admins in einer Gruppe gibt, welcher Administrator wird dann persönlich belangt seine irgendwie geartete Aufsichtspflicht verletzt zu haben? Sind Gruppenadministratoren, die ja auch eigentlich nur einfache Facebook-Benutzer sind, dann Facebook-Mitarbeiter oder irgendwie von Facebook beauftragt? Haben sie die Pflicht für die Einhaltung der diversen und komplexen rechtlichen Vorgaben innerhalb von Facebook zu sorgen bei Beiträgen von fremden Personen? Wurden sie über die Pflicht, wenn denn eine besteht, belehrt oder aufgeklärt? Oder sind es nur “Kann-Administratoren”, aber keine “Muss-Administratoren”? Diese Fragen wird wohl nur ein Fachanwalt beantwortet können, wenn überhaupt.
Fotouploads in einer Facebook-Gruppe werden also von den Administratoren sehr ängstlich beobachtet und im Zweifelsfall unterbunden oder entfernt. Ich lade allerdings recht selten Fotos direkt bei Facebook hoch. Ich packe meine selber erstellen und meiner Meinung nach unproblematischen Fotos auf Flickr oder in meinen Blog und benutze dann bei Facebook einfach nur einen Link dort hin. Damit dürften die Administratoren bei Facebook dann sowieso aus der Sache heraus sein und könnten sich beruhigt zurücklehnen. So dachte ich.
Bei der oben erwähnten Gruppe ist es aber zur Zeit so, dass die Administratoren noch mehr Angst vor Links haben als vor Fotouploads. Möchte ich in einem Kommentar oder in einer Meldung einen Link setzen, so muss ich vorher einen Admin um Erlaubnis fragen! Stichwort: Link-Haftung. Im schlechtesten Fall also: Keine Fotos, keine Links auf Seiten mit Fotos, wenn der Administrator der Meinung ist irgendetwas sei an den Fotoinhalten auszusetzen, ob dies nun wirklich zutreffend ist oder nicht.
Schon bei geringsten Bedenken wird eine Veröffentlichung vorsichtshalber unterbunden, auch wenn die positiven Effekte für alle Beteiligten offensichtlich sind und eine Beanstandung eher unwahrscheinlich.
Ein Beispiel
Ich kaufte mir ein Tombola-Los für einen gemeinnützige Sache. Mit dabei bekam ich einen kleinen Flyer mit Infos über die Veranstaltung. Ich legte die beiden Sachen auf den Tisch und fotografiere diese Zettel zur Illustration eines Blogeintrages zum Thema. Einen Link auf meinen Blogartikel bzw. auf das Foto wollte ich dann in der Facebook-Gruppe veröffentlichen, um auf die gute Sache aufmerksam zu machen. Das wurde blockiert. Eine Begründung bekam ich nicht und habe ich auch nachträglich nicht angefragt. Ich vermute man hatte Angst vor möglichen Urheberrechtsklagen, da ja natürlich auch so ein Werbeflyer dem Urheberrecht unterliegt. Also machte ich mir den Spaß und fragte per E-Mail beim Veranstalter eine Erlaubnis zur Veröffentlichung meines Fotos an.
Das Internet und besonders Facebook lebt u.a. von der Aktualität und der Geschwindigkeit. Nichts ist so alt, wie eine Facebook-Beitrag von gestern. Natürlich gehören dazu auch Fotos und besonders Links. Wenn da nicht diese ständige Angst wäre…
Überraschender Weise bekam ich schon nach ein paar Stunden eine Antwort auf meine E-Mail mit einer Freigabe vom Veranstalter der Tombola. Leider war dann über sechs Stunden mein Facebook-Account wegen Wartungsarbeiten gesperrt und so konnte ich erst am folgenden Tag den nächsten Versuch starten meinen Link und mein Foto in der Facebook-Gruppe zu veröffentlichen. Dies mit dem Hinweis, dass ich eine Fotofreigabe vorweisen kann. Es wurde dann nur der Foto-Link, aber nicht der Link auf meinen Blog veröffentlicht. Das ganze natürlich, verzögert durch diesen ganzen Ablauf, relativ spät. Im Moment finde ich den Beitrag gar nicht mehr in der Gruppe. Vielleicht wurde er wieder von einem der anderen Administratoren ängstlich gelöscht. Oder er verschwand einfach in den Annalen der Gruppenbeiträge. Denn so ein Gruppenbeitrag ist zwar für ewig bei Facebook gespeichert, aber schon nach wenigen Stunden oder Tagen, manchmal schon nach Minuten, aus dem Fokus und nur noch schwer auffindbar. Ist auch egal, die Tombola-Veranstaltung ist sowieso schon vorbei.