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Die günstige Gelegenheit

Ich cruse so in meinem BMW durch unsere Wohnsiedlung. Drei Tage Bart, mein Baseball-Cap auf dem Kopf, basslastige Musik im Radio. Vor mir biegt ein roter Kleinwagen in unsere Anwohnerstraße ein und hält zwei Häuser weiter an. Eine junge hübsche Frau steigt aus. Ich denke: “Das ist eine günstige Gelegenheit!” Ich halte neben ihr an, lasse meine Schreibe elektrisch herunterfahren und spreche sie an: “Könnte ich vielleicht ihre Nummer haben?” “Ja, äh, wieso, worum geht es denn?”, fragt sie mich etwas verunsichert. “Ich brauche da etwas Hilfe.”, antworte ich, “Haben sie vielleicht eine Karte oder so?” ”Eine Karte?”, fragt sie verwirrt. Ich antworte: “Ja, mit ihrer Nummer.”, sage ich und stelle erst mal das Radio aus.

“Ja, äh, ich weiß nicht…”, stammelt sie. “Wissen sie, meine Mutter ist 86 und kann jetzt nicht mehr so alleine…”, erkläre ich. “Ihr Mutter?”, fragt sie erstaunt. “Ja”, sage ich, “Die braucht jetzt Pflege.” Die junge Frau blickt mich immer noch erstaunt an. Ich habe keine Ahnung warum. “Die Nummer von ihrem Pflegedienst.”, erwidere ich und zeige auf die Werbung an ihrem roten Kleinwagen.

“Ach so, ja, das habe ich jetzt falsch verstanden.”, sagt sie. Wir tauschen die Nummern aus und ich wundere mich, was man daran falsch verstehen kann.

Das Baseball-Cap trug ich, weil ich schon eine Woche beim Frisör überfällig war. Die Musik hatte ich im Auto laut, weil endlich mal ein guter Song im Radio war. Mein iPod-Adapter funktioniert ja nicht mehr, seit mein Sohn von einem Jahr alle meine Parkmünzen in den CD-Schlitz des Radios gesteckt hatte. Und mein Drei-Tage-Bart war eigentlich ein 7-Tage-Bart, weil ich selber schon eine Woche krank geschrieben war – Rücken und Erkältung. Ich fuhr auch nicht einfach so durch die Gegend, sondern hatte gerade eine Tour vom Arzt zum Sanitätshaus und zurück hinter mir. Endlich wurde ein Rollstuhl für meine Mutter verschrieben, den ich im Kofferraum meines Kombis hatte.

Nach dem ich dann zu Hause war und meine Mutter versorgt hatte kam mir in den Sinn, dass die Frau vom Pflegedienst sich vielleicht angemacht gefühlt haben könnte. Oder sie hat vielleicht gemeint, ich wäre mit ihrem Parkverhalten in der engen Einbahnstraße nicht einverstanden. Ja, solche Missverständnisse passieren halt, wenn man nicht mehr so viel raus kommt.

 

 

 

Oliver und die TV-Wut

Gerade will ich mir die Aufzeichnung eines Horror-Films, der im Fernsehen lief, anschauen. zdf_neo, die öffentlich-rechtliche Programmalternative für 25- bis 49-jährige. Da ist es natürlich hip nicht nur fett das Senderlogo einzublenden, sondern auch noch einen Twitter-Hash-Tag. Denn wir, die Zielgruppe, gucken nicht nur einfach den Film, sondern wir twittern natürlich zeitgleich dazu.

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Das Protest-T-Shirt

Letzten Monat war ich mit Familie in Hamburg zur Anti-Atomkraft-Groß-Demo. Da mein kleiner Sohn auch mit dabei war, wollte ich ihm ein T-Shirt passend zu diesem Anlass spendieren. Um eines online zu bestellen war es schon zu spät. Aber es gibt ja zahlreiche Print-Shops, die kurzfristig eines anfertigen können. So dachte ich jedenfalls.

Vor ca. 20 Jahren habe ich schon einmal ein T-Shirt bedrucken lassen. Es sollte ein originelles Geburtstagsgeschenk sein. Ich mache ein Foto (in Farbe), damals noch analog, ließ es entwickeln, brachte es zu einem Print-Shop und bekam kurze Zeit später mein T-Shirt (in Farbe).

Jetzt, 20 Jahre später, so dachte ich, würde es zumindest genauso unkompliziert sein. Schließlich hat sich die Technik ja weiter entwickelt. Natürlich habe ich nichts fotografiert, sondern ich habe mir ein Motiv im Internet ausgesucht. Auf einer Anti-Atomkraft-Seite fand ich Plakate zum Selber-Ausdrucken mit Kindermotiven. “Ponys statt Atommüll” stand auf dem Plakat, darüber eine Kinderzeichnung von einem Pony. Meine Frau fand das niedlich. Ich hätte lieber “Atomkraft ist Moppelkotze” genommen, aber na ja.

Ich ging zum nächst liegenden Print-Shop und informierte mich. “Ja, im Moment haben wir keine Farb-[irgendein-Fachausdruck] mehr.” Ich: “Aber schwarz-weiß können sie doch?” – “Ja, kein Problem”, antwortete der Mann hinter dem Tresen. “Wie lange wird das dauern?”, frage ich. “Ca. eine Stunde”, bekam ich als Antwort. “In welchem Format brauchen sie es?”, und ich meinte das Dateiformat. “Am besten PDF.”, und ich hakte nach: “Welche Auflösung?”. “So gr0ß wie möglich.” Das fand ich schon zu ungenau. Welche dpi-Auflösung hat schon ein Stoff-T-Shirt? Ist doch kein Hochglanzdruck. Aber gut. “Welche T-Shirt-Größe?”, frage der Mann. “Haben Sie ‘S’?”, fragte ich zurück. “Nein, kann ich aber bestellen.” Ja, bestellen kann ich mir den ganzen Kram auch passend im Internet, aber ich antwortete: “Gut, ich besorge eins.” Und das war auch kein Problem. Hagemeyer, 2 Stück, 15 Euro.

Ich nahm die Pony-Vorlage aus dem Internet und unser Grafiker bastelte in der Mittagspause auf meinen Wunsch hin eine Anti-Atomkraft-Sonne in s/w darunter. Dauerte 3 Minuten. Er fragte noch:  “s/w oder monochrom?” Ich dachte an die 20 Jahre Technologiefortschritt und war mir sicher, dass schwarz-weiß, also Graustufen kein Problem darstellen würden. “Wie soll ich das abspeichern?”, fragte er mich noch. Ich: “PDF, 600 dpi, wird ja wohl reichen”.

Zweiter Besuch im Print-Shop am nächsten Tag. “Datei kann nicht gelesen werden. Zu groß.”  So viel zu “so groß wie möglich”. Na gut, auf einem moderneren PC ging es dann.  Aber dann der Print-Shop-Mann: “Nee, Graustufen gehen gar nicht”. Ich sagte:  “Hm, gut, ich lasse das noch mal überarbeiten.” Zurück im Büro wollte ich den Grafiker nicht wieder belästigen und so entfernte ich einfach die Anti-Atomkraft-Sonne. Also hatte ich nur noch den Schriftzug und das Pony in monochrom.

Am nächsten Tag, Freitag, Samstag war die Demo, ging ich wieder zum Print-Shop. “Ja, dürfen wir bei der Schrift auch eine ähnliche Schriftart benutzen? Das wird sonst schwierig.” Ich: “Warum?” – “Ja, das müssen wir sonst vektorisieren. Und das Pony-Bild wird auch schwierig.”

Ich bin dann erst mal raus – eine Rauchen. Dann wieder rein und meinte. “Also im Internet gibt es das Original-Plakat als Vektorgrafik in PDF. Sie müssten halt nur alles bis auf das Pony und den Schriftzug löschen.” – “Ja, super, kein Problem. Bis wann brauchen sie das?” “Heute!”, meinte ich, “Morgen ist ja die Demo.” “Oh, das wird schwierig.”, bekam ich zu hören.  So viel zu “ca. eine Stunde.” Um 18 Uhr sollte ich wieder kommen.

Kurz vor 18 Uhr – wieder zum Print-Shop: “Ist noch nicht fertig.” Ich: “Kein Problem. 15 Minuten? Ich kann ja mal eine Runde drehen. Möchte nur nicht vor verschlossenen Türen stehen später.” – Er: “Ja,  kein Problem, ich bin hier im Laden.” Also ging ich noch ein Bier trinken an der Hufschmiede. Als ich zurück kam meinte er: “So, ist fertig, aber das mit dem Pony-Bild haben wir nicht hin bekommen.” Also, ich wollte ein Pony, den Slogan und eine Anti-Atomkraft-Sonne und ich bekam nur ein T-Shirt mit einem simplen Schriftzug und kann froh sein, dass es der Original-Schriftzug war. Aber egal. Ich blieb ruhig. Ich hatte ja wenigstens etwas bekommen. Er kam mir auch mit dem Preis etwas entgegen.

Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Hamburg. “Hast du das T-Shirt?”, fragte ich meine Frau. “Ja, habe ich.”, antwortete sie mir und folgte mir mit T-Shirt und Kind zum Auto. Bei der ersten Pinkelpause fiel uns auf, dass das T-Shirt nicht da war.

Nun tut es mir ja Leid, dass meine Frau meinen Ärger abbekommen hat. Aber bis dahin war ich ja ganz ruhig geblieben. Nun war das T-Shirt nicht auffindbar und da war ich schon etwas verärgert, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich habe mich dann auch wieder beruhigt, soweit das im Stau kurz vor dem Elbtunnel möglich war.

Nach der Heimkehr fand ich das T-Shirt im Garten. Auf dem Weg zum Auto hatte meine Frau es verloren. Pech. Am 26.04.11 (Oster-Dienstag) gibt es einen Friedensmarsch um 14:30 ab Marktplatz in Minden mit Anti-Atomkraft-Demo. Dann, hoffe ich, kann das T-Shirt doch noch einmal zum Einsatz kommen. Allerdings ist Größe “S” natürlich viel zu groß. Damals sollte er es ja über der Winter-Jacke tragen. Heute haben wir über 20 Grad.

 

Thilo Sarrazin und der britische Brotkasten

Herr Sarrazin hat ein Interview gegeben. Das ist nichts besonderes, denn damit scheint er ja neuerdings hauptsächlich sein Geld zu verdienen. Dieses Mal sprach er bei der BBC auf englisch.

Nun kann man niemandem einen Vorwurf machen, wenn jener nicht perfekt Englisch spricht. Obwohl eine gewisse Komik nicht abzusprechen ist, wenn jemand der einerseits Migranten vorwirft kein Deutsch lernen zu wollen und meint Muslimen würde es per se an Bildung und Lernwillen fehlen, aber er selbst als Sohn eines Arztes und als Akademiker und  zudem noch als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bundesbank, kaum einen englischen Satz heraus bringt ohne zehn “ähs” einzubauen.

Was aber absolut lächerlich wirkt ist die Tatsache, dass er es nicht einmal schafft, in Vorbereitung auf ein in Englisch geführtes Interview, den Titel seines eigenen Buches nachzuschlagen. “Germany is doing itself away.” Da musste selbst ich, mit meinen schlechten Englischkenntnissen, lachen.

Ich muss zugeben auf Anhieb könnte ich “Deutschland schafft sich ab” auch nicht ins Englische übertragen. Nur “Germany is doing itself away” dürfte es wohl nicht lauten. Diese Phrase ergibt bei Google zur Zeit nur 54 Treffer und die verweisen fast ausschließlich auf das erwähnte Interview. Während “germany abolishes itself” immerhin über 8.000 Treffer ergibt. Da aber in der nächsten Zeit wohl viel über dieses Interview berichtet wird, könnte es ja sein, dass die falsche Übersetzung mehr Treffer erhält und somit zur Wahrheit wird. So funktioniert ja auch Sarrazins Strategie: Wenn man nur lange genug Unsinn erzählt, wird der Unsinn zur Wahrheit.

Real Life Superheroes

Da gab es doch diesen Comic und den Film “Watchmen“, wo Leute sich Superheldenkostüme angezogen haben und dann mit einer Portion Zivilcourage und Selbstjustiz auf Verbrecherjagt gegangen sind. Auch in “Kick Ass” zog sich ein Schüler ein Superheldenkostüm an, allerdings war dieser nicht so erfolgreich und wurde schwer verprügelt.

In albernen Kostümen rumrennen und Leuten helfen – abgefahrene Idee? Tja, solche Leute gibt es jetzt wirklich. Sie nennen sich Real Life Superheroes. Und tatsächlich hat schon einer einen Autodiebstahl verhindert und tatsächlich wurden er auch bei seinen Patrouillen verprügelt. Es gibt schon verrückte Leute.

(Drawing by Jerome Ware License: CC BY-NC)

Mach das Web zu einem schlaueren Ort

Das Blog karrierebibel.de ruft andere Blogger auf in ihre Zugriffsstatistiken zu schauen. Dort findet man u.a. auch die Suchanfragen, die Besucher bei Google & Co. eingegeben haben, bevor sie hier gelandet sind. Einige geben nämlich nicht einfach nur Stichwörter ein, sondern ganze Fragen. Diese habe ich mal rausgepickt um sie, wie aufgefordert, zu kommentieren oder einfach nur zu beantworten.

Sehr viele Suchanfragen drehen sich um das Thema Kabelfernsehen:

was passiert wenn das analoge fernsehen abgeschaltet wird?

Dann gibt es mehr Platz für weitere digitale Kanäle.

wie mache ich als medienberater verträge?

Hoffentlich nicht mit Drücker-Methoden.

kann ich kabelempfang haben ohne bei unitymedia angemeldet zu sein?

Ja, einfach den Anschluss vom Nachbarn anzapfen. Nennt sich “Schwarzgucken” und ist natürlich nicht legal.

wie wird ein kabelanschluss abgeschaltet?

Mit einem Seitenschneider und einer Plombe. (Wirklich!)

darf unitymedia analog abklemmen?

Es wird schwierig nur das analoge Signal abzuklemmen, da digitale und analoge Signale über das gleiche Kabel kommen. Aber irgendwann wird einfach das analoge Signal nicht mehr übertragen. Das betrifft dann aber alle Kunden. Mein Rat: Nicht unter Druck setzen lassen und in Ruhe die Alternativen studieren.

kann unitymedia mit der polizei sofort ins haus?

Lasst Euch nicht bange machen!

wie lange dauert es bis kabel abgeschaltet?

Wenn man seine Rechnung nicht bezahlt, geht es wohl recht schnell.

muss ich den medienberater von unitymedia in meine wohnung lassen?

Generell sollte man keine Haustürverkäufer oder die, die sich als solche ausgeben, in seine Wohnung lassen.

kabel online oder bei medienberater bestellen?

Online. Wenn alle online bestellen hört die Belästigung durch die Medienberater vielleicht endlich mal auf.

Es gibt aber auch noch andere Themen:

wann waren die küchenchefs im diner road?

So um den 28.04.2010 herum.

wann war gourmetmeile in minden?

16.-18. Juli 2010
30. Juli – 2. August 2009 (glaube ich)

welche kräuter nimmt man für straußensteaks?

Da muss ich selber erst mal googlen.

mit welchem bohrer wanddurchbruch machen?

Auf jeden Fall sollte der Bohrer länger sein, als die Wand dick ist. Ich spreche aus Erfahrung. Und je länger der Bohrer ist, desto unwahrscheinlicher ist es den berechneten Austrittspunkt auf der anderen Seite der Wand zu treffen.

auf welche seite kommt der warmwasseranschluss?

Gehe zum nächsten Waschbecken und schaue nach!

welche nummer muss ich bei meinemn o2stick eingeben?

Zum Aktivieren? Die 19-stellige Kartennummer, die sinnigerweise in den Unterlagen mit S/N gekennzeichnet ist.

bekommt man einen einlieferungsbeleg für packete in die türkei?

Nicht nur das. Auch ganz viel anderen Papierkram. Ist ja eine Sendung in ein nicht EU-Land.

wie spannt man sds?

SDS-Bohrer passen nur in ein SDS-Bohrfutter. Wie das geht steht in der Gebrauchsanleitung zum Gerät.

aktiv sub brummt nur noch?

Das sind Fragen, die man nur als solche erkennt, weil der Google-Benutzer wirklich das Fragezeichen mit eingetippt hat.

samsung wave paketdaten verwenden?

Ist zu empfehlen.

imap samsung wave?

Ja.

Auf der Walz

Photo: Gabriele Kantel unter CC-Lizenz by-nc-nd

Photo: Gabriele Kantel unter CC-Lizenz by-nc-nd

Heute Mittag kamen zwei Wandergesellen aus Bayreuth in traditioneller Kluft in die Pommesbude und fragten nach einer kleinen Spende. Von den Mitarbeiterinnen des Imbissbetriebes bekamen sie Essen und Trinken angeboten und von einigen Gästen gab es etwas Trinkgeld. Nach dem die beiden wieder raus gegangen waren, fragte die ältere Bedienung die jüngere: “Na, weißt du denn welcher Zunft die beiden angehören?” “Das sieht man doch ganz klar an der Kleidung!”, meinte diese, “Schornsteinfeger natürlich!”

Der Umtauscher

Ich stehe im Lidl an der Kasse. Vor mir ein älterer Herr mit einem Paar Walking-Schuhen in der Hand, die er natürlich nicht kaufen, sondern umtauschen möchte. Es ist wohl einer dieser netten einsamen Rentner, die gerne mal ein Pläuschchen mit der Kassiererin halten über das Wetter und den baldigen Feierabend und ähnlichen Quatsch. Die Frau an der Kasse lächelt ihn an und wirft ihm die passenden Floskeln freundlich zurück. Ich habe aber keine Zeit. Wieso kauft sich so ein Opa überhaupt Walking-Schuhe? Die passen überhaupt gar nicht zu seiner grauen Bügelfaltenhose mit Stretchbund. Und wie kann man überhaupt Schuhe beim Lidl kaufen, dazu noch in der falschen Größe? Dafür habe ich jetzt wirklich kein Verständnis.

Endlich bin ich dran. Meine vier Jersey-Spannbettlaken werden über den Scanner gezogen und die Kassiererin, der mein verächtlicher Blick zum Rentner nicht entgangen war, schaut mich mütterlich zurechtweisend an. “Haben Sie auch die richtige Größe?”, fragt sie mich recht streng. “Ja, natürlich”, sage ich und füge in Gedanken hinzu: “Ich bin doch nicht blöd!” Ich bezahle und gehe zum Auto.

Auf dem Weg nach Hause überlege ich: Wieso hat die mich nach der Größe gefragt? War das ein Seitenhieb wegen der Sache mit dem Opa? Während ich an der roten Ampel warte schaue ich auf die Verpackungen auf dem Beifahrersitz. 180×200 steht da drauf. Oh, Sch…ade. Ich brauche doch 80×200. Seit wann gibt es beim Lidl hierfür unterschiedliche Größen?

Am nächsten Tag fahre ich morgens vor der Arbeit wieder zum Lidl – zum Umtauschen. Von draußen schaue ich durch den Glaseingang kurz in den Kassenbereich. Ah, Gott sei Dank. Dieses Mal sitzt ein Mann dort. Wäre ja peinlich, wenn ich die Kassiererin von gestern wiedertreffen würde. Ich gehe durch die Eingangsschranke, laufe zum Non-Food-Bereich, schnappe mir vier Bettlaken in der richtigen Größe und stelle mich dann an der Kasse an. “Umtausch oder Geld zurück?”, fragt mich der junge Mann an der Kasse. “Umtausch.”, sage ich. “Haben die den gleichen Preis?” “Nein.”, antworte ich. “Kleinen Moment bitte!” Er drückt auf einen Knopf und es ertönt zwei Mal ein Gong, den man im ganzen Laden hören kann. Hinter mir stehen zirka fünf Kunden, die beim Ertönen des Gongs fast gleichzeitig die Augen verdrehen. Eine Kassiererin kommt mit dem Geld-Zurück-Kassenschlüssel. Es ist natürlich nicht irgendeine Kassiererin, sondern die von gestern…

Thusnelda am Geldautomat

Fräulein vor mir am Geldautomat:

Erstmal stellt sie ihre Handtasche auf dem Automaten ab. Wenn Frauen, die so gekleidet sind, dies tun, weiß ich schon: Es kann länger dauern.

Sie kramt die Zigaretten raus und steckt sich eine an. Dann sucht sie ihr Portemonnaie in ihrer Handtasche. Gefunden! Sie holt die EC-Karte heraus, steckt diese in den Automaten, zieht erst mal an ihrer Zigarette und packt das Portemonnaie wieder zurück in die Handtasche. Braucht sie ja auch erst mal nicht mehr.

Da der Schirm so schön spiegelt, kann man ja mal seinen Lippenstift kontrollieren. Huch, da steht ja was auf dem Bildschirm. Spiegelt aber auch stark. “Geld abheben” wird gedrückt. Nach dieser erfolgreichen Eingabe wird erst mal wieder an der Zigarette gezogen. Geheimnummer? Moment. Die Freundin wird herbei gerufen, um die Zigarette zu halten. Erst mal den Zettel in der Handtasche suchen. Gefunden! 6 – 0 – 9 – 8 (oder so was ähnliches nehme ich an). Wieso passiert nichts? Ach, noch bestätigen. Nummer falsch. Erst mal mit der Freundin beraten, um herauszufinden, dass sie den Zettel falsch herum hält. 8 – 6 – 0 – 9. Die Zigarette wird von der Freundin gereicht und es wird ein Zug genommen. Und… und… Bestätigt! Dann erst mal umschauen, ob auch niemand die Geheimnummer erspäht hat. “Oh, da ist ja eine Schlange von Leuten hinter uns.”

Irgendwann ist sie dann mit ihren Eingaben fertig. Freundin muss wieder Zigarette halten, Portemonnaie wird wieder aus der Handtasche genommen, Karte und Geld werden sorgfältig dort hinein gepackt. Dieses dann wieder in die Handtasche. Zigarette zurück holen. Vielleicht noch mal den Sitz der Frisur im Display überprüfen? Nein, sie ist jetzt wirklich fertig und geht.