11. April 2011
Letzten Monat war ich mit Familie in Hamburg zur Anti-Atomkraft-Groß-Demo. Da mein kleiner Sohn auch mit dabei war, wollte ich ihm ein T-Shirt passend zu diesem Anlass spendieren. Um eines online zu bestellen war es schon zu spät. Aber es gibt ja zahlreiche Print-Shops, die kurzfristig eines anfertigen können. So dachte ich jedenfalls.
Vor ca. 20 Jahren habe ich schon einmal ein T-Shirt bedrucken lassen. Es sollte ein originelles Geburtstagsgeschenk sein. Ich mache ein Foto (in Farbe), damals noch analog, ließ es entwickeln, brachte es zu einem Print-Shop und bekam kurze Zeit später mein T-Shirt (in Farbe).
Jetzt, 20 Jahre später, so dachte ich, würde es zumindest genauso unkompliziert sein. Schließlich hat sich die Technik ja weiter entwickelt. Natürlich habe ich nichts fotografiert, sondern ich habe mir ein Motiv im Internet ausgesucht. Auf einer Anti-Atomkraft-Seite fand ich Plakate zum Selber-Ausdrucken mit Kindermotiven. “Ponys statt Atommüll” stand auf dem Plakat, darüber eine Kinderzeichnung von einem Pony. Meine Frau fand das niedlich. Ich hätte lieber “Atomkraft ist Moppelkotze” genommen, aber na ja.
Ich ging zum nächst liegenden Print-Shop und informierte mich. “Ja, im Moment haben wir keine Farb-[irgendein-Fachausdruck] mehr.” Ich: “Aber schwarz-weiß können sie doch?” – “Ja, kein Problem”, antwortete der Mann hinter dem Tresen. “Wie lange wird das dauern?”, frage ich. “Ca. eine Stunde”, bekam ich als Antwort. “In welchem Format brauchen sie es?”, und ich meinte das Dateiformat. “Am besten PDF.”, und ich hakte nach: “Welche Auflösung?”. “So gr0ß wie möglich.” Das fand ich schon zu ungenau. Welche dpi-Auflösung hat schon ein Stoff-T-Shirt? Ist doch kein Hochglanzdruck. Aber gut. “Welche T-Shirt-Größe?”, frage der Mann. “Haben Sie ‘S’?”, fragte ich zurück. “Nein, kann ich aber bestellen.” Ja, bestellen kann ich mir den ganzen Kram auch passend im Internet, aber ich antwortete: “Gut, ich besorge eins.” Und das war auch kein Problem. Hagemeyer, 2 Stück, 15 Euro.
Ich nahm die Pony-Vorlage aus dem Internet und unser Grafiker bastelte in der Mittagspause auf meinen Wunsch hin eine Anti-Atomkraft-Sonne in s/w darunter. Dauerte 3 Minuten. Er fragte noch: “s/w oder monochrom?” Ich dachte an die 20 Jahre Technologiefortschritt und war mir sicher, dass schwarz-weiß, also Graustufen kein Problem darstellen würden. “Wie soll ich das abspeichern?”, fragte er mich noch. Ich: “PDF, 600 dpi, wird ja wohl reichen”.
Zweiter Besuch im Print-Shop am nächsten Tag. “Datei kann nicht gelesen werden. Zu groß.” So viel zu “so groß wie möglich”. Na gut, auf einem moderneren PC ging es dann. Aber dann der Print-Shop-Mann: “Nee, Graustufen gehen gar nicht”. Ich sagte: “Hm, gut, ich lasse das noch mal überarbeiten.” Zurück im Büro wollte ich den Grafiker nicht wieder belästigen und so entfernte ich einfach die Anti-Atomkraft-Sonne. Also hatte ich nur noch den Schriftzug und das Pony in monochrom.
Am nächsten Tag, Freitag, Samstag war die Demo, ging ich wieder zum Print-Shop. “Ja, dürfen wir bei der Schrift auch eine ähnliche Schriftart benutzen? Das wird sonst schwierig.” Ich: “Warum?” – “Ja, das müssen wir sonst vektorisieren. Und das Pony-Bild wird auch schwierig.”
Ich bin dann erst mal raus – eine Rauchen. Dann wieder rein und meinte. “Also im Internet gibt es das Original-Plakat als Vektorgrafik in PDF. Sie müssten halt nur alles bis auf das Pony und den Schriftzug löschen.” – “Ja, super, kein Problem. Bis wann brauchen sie das?” “Heute!”, meinte ich, “Morgen ist ja die Demo.” “Oh, das wird schwierig.”, bekam ich zu hören. So viel zu “ca. eine Stunde.” Um 18 Uhr sollte ich wieder kommen.
Kurz vor 18 Uhr – wieder zum Print-Shop: “Ist noch nicht fertig.” Ich: “Kein Problem. 15 Minuten? Ich kann ja mal eine Runde drehen. Möchte nur nicht vor verschlossenen Türen stehen später.” – Er: “Ja, kein Problem, ich bin hier im Laden.” Also ging ich noch ein Bier trinken an der Hufschmiede. Als ich zurück kam meinte er: “So, ist fertig, aber das mit dem Pony-Bild haben wir nicht hin bekommen.” Also, ich wollte ein Pony, den Slogan und eine Anti-Atomkraft-Sonne und ich bekam nur ein T-Shirt mit einem simplen Schriftzug und kann froh sein, dass es der Original-Schriftzug war. Aber egal. Ich blieb ruhig. Ich hatte ja wenigstens etwas bekommen. Er kam mir auch mit dem Preis etwas entgegen.
Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Hamburg. “Hast du das T-Shirt?”, fragte ich meine Frau. “Ja, habe ich.”, antwortete sie mir und folgte mir mit T-Shirt und Kind zum Auto. Bei der ersten Pinkelpause fiel uns auf, dass das T-Shirt nicht da war.
Nun tut es mir ja Leid, dass meine Frau meinen Ärger abbekommen hat. Aber bis dahin war ich ja ganz ruhig geblieben. Nun war das T-Shirt nicht auffindbar und da war ich schon etwas verärgert, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich habe mich dann auch wieder beruhigt, soweit das im Stau kurz vor dem Elbtunnel möglich war.
Nach der Heimkehr fand ich das T-Shirt im Garten. Auf dem Weg zum Auto hatte meine Frau es verloren. Pech. Am 26.04.11 (Oster-Dienstag) gibt es einen Friedensmarsch um 14:30 ab Marktplatz in Minden mit Anti-Atomkraft-Demo. Dann, hoffe ich, kann das T-Shirt doch noch einmal zum Einsatz kommen. Allerdings ist Größe “S” natürlich viel zu groß. Damals sollte er es ja über der Winter-Jacke tragen. Heute haben wir über 20 Grad.
