Posts Tagged “Ausländerfeindlichkeit”

Und wieder: Meine Frau geht schon recht selten allein vor die Tür, also ohne meine Begleitung. Am Samstag war sie mit einer Freundin spazieren. Und prompt wird wieder gepöbelt. Diesmal in unserer Nachbarschaft, vor dem Finanzamt, aus einem fahrenden Auto heraus. Ein farbiger Mann benutzte zufällig den gleichen Bürgersteig. Grund für einen Mann im Vorbeifahren aus seinem Autofenster Beschimpfungen zu rufen. Und da er an meiner Frau auch vorbeifuhr, hat er gleich weitergepöbelt.

Das ist ja nicht gerade eine schlechte Gegend dort. In den Nebenstraßen wimmelt es von Steuerberatern und Anwälten. Trotzdem verkehrt dort so ein Gesocks. Und meine Frau hatte gut sichtbar ihre Spiegelreflexkamera dabei. Hätte ja auch eine Touristin seinen können. Armes Minden.

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Am 17. März 2007 hat der Bürgermeister noch zum Protest gegen die Neonazis aufgerufen. Zum Jahresende scheinen die Rechten gewonnen zu haben. Sie feierten ihren Jahesausklang am 30. Dezember ungestört in Minden in der Gaststätte “Friedenseiche” mit der Band “Weisse Wölfe”, die bekannt ist für Textzeilen wie “Für unser Fest ist nichts zu teuer – 10.000 xxxxx für ein Freudenfeuer”. (Für das xxxxx könnte ihr eine in der Nazizeit verfolgte Bevölkerungsgruppe einsetzen).

Die Polizei hielt sich zurück, obwohl Polizei und Staatsschutz wohl bescheid wussten. Wo war der Bürgermeister? Wurde er nicht informiert oder hat er noch zu viel mit seinem Rathausproblem zu tun? Armes Minden.

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So eine Einstellung wünsche ich mir auch in Minden, wenn wieder mal so eine Demo stattfinden sollte:

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1657458

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Stellt euch vor, es ist Weihnachten, ihr freut euch aufs Fest und steht vor eurer Kirche zum Festtagsgottesdienst. Und dann kommt jemand vorbei und beschimpft euch zum Beispiel mit “Nazi-Pack” oder “Juden-Mörder” oder ähnlichen deutschfeindlichen Ausdrücken und verjagt euch von der Kirche. Keine schöne Vorstellung, oder?

So ähnlich ist es aber meiner Frau heute, am Samstag Morgen, passiert. Heute ist nämlich einer der höchsten Feiertage im Islam: Id-Ul-Fitr, das Fastenbrechen am Ende des Fastenmonats Ramadan. Deshalb stand meine Frau heute mit einer Freundin vor der türkischen Moschee in Minden. Genauso wie viele Christen zum Weihnachtsgottesdienst gehen, so wollte meine Frau zum islamischen Festgebet in die Moschee gehen. Als sie mit ihrer Freundin vor der Moschee stand, kam ein blonder, deutscher, junger Erwachsener vorbei und beschimpfte die beiden als “Osmanisches Pack” und “Mörder”. Die Frauen fühlten sich bedroht, verließen die Moschee und gingen zurück zu ihrem Auto.

Der Mann war sicherlich nicht sehr helle in der Birne, aber das sind solche Leute ja selten. Er konnte zum Beispiel Asiaten nicht von Osmanen unterscheiden. Zwei allein auf dem Bürgersteig stehende Frauen anzugreifen lässt ihn auch nicht sehr heldenhaft erscheinen.

Trotzdem stellt sich erneut die Frage: Wo leben wir eigentlich? Das ist ja nicht das erste Mal, dass dies passiert. Es gab schon eine ausländerfeindliche Beleidigung bei uns im Lidl an der Stiftsstraße (durch einen Kunden). Es passiert am hellen Tage, an öffentlichen, durchaus belebten Orten. Die Leute mit braunem Gedankengut im Kopf scheuen sich nicht öffentlich Beleidigungen und Beschimpfungen auszusprechen. Neo-Nazis demonstrieren in Minden und der brave Mindener Bürger bleibt zu Hause statt zur Gegendemo des Bürgermeisters zu gehen. Denn: “Die gehen ja wieder von allein weg, wenn man sie nicht beachtet.”

Der Vorfall heute überschattet natürlich die sonst frohen Festtage. Meine Frau wird sich die nächste Zeit nicht mehr allein auf die Straße trauen. Armes Minden.

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Also die Zahl der rechten Demonstranten heute ist auf jeden Fall größer geworden. Bewegte es sich die vorherigen Male zwischen 60 und 70, so wurden heute 175 gezählt. Was konnten die Mindener entgegensetzen? Wieder 1500 Gegendemonstranten? Ich denke dieses Mal waren es nicht mal so viele. Während der Gegendemo wurde von Podium die Zahl 500 genannt. Der erste Bericht auf MT-Online spricht von 900. Dabei wohl auch viele Nicht-Mindener, die extra für die Gegendemo angereist waren. Das ist sicherlich löblich, senkt aber die Zahl rein mindener Gegendemonstranten nochmals.

Geht die Taktik der Braunen langsam auf? Provozieren, bis es allen egal ist und sie dann tun und lassen können was sie wollen?

Viele meinen, man müsste sie einfach nur ignorieren, dann gehen sie schon wieder weg. Ein Redner der Gegendemo meinte dazu, dass diese Taktik nicht funktioniert und wir ja schon wissen wohin dies geführt hat. Ein anderer Redner erzählte als Metapher eine Kindheitserinnerung wo seine Mutter ihm riet vor den beängstigenden Schatten an der Wand die Augen zu schließen – die Schatten aber viel größer waren, als er die Augen wieder öffnete. „Aktiv ignorieren“ war das Motto der Gegendemo wohl auch deshalb heute. Ganz hat das nicht geklappt.

Die „bürgerliche“ Demo startete an der Marienkirche, zog dann zum Zentrallager, wo weitere Kundgebungen stattfanden. Dies verlief friedlich und ohne Zwischenfälle, fast langweilig. Also da kann man ruhig mitlaufen. Hätte auch eine Jack-Wolfskin Werbeveranstaltung seien können, denn ich hatte den Eindruck jeder dritte hatte so eine Jacke an (ich auch :-) ).

Wer mehr Aktion brauchte, musste sich zu den jugendlichen Antifaschisten ans Wesertor stellen. Einer von ihnen redete auch am Zentrallager vom Podium, zählte Grabschändungen und die Vorstrafen von Mitgliedern der Rechten auf. Statt der symbolischen Straßensäuberung nach der Neonazi-Demo rief er zum „Nazis von der Straße fegen auf“. Schließlich haben wir 60 Jahre lang hinter den Nazis her geräumt, meinte er.

Nach der Rede von Bürgermeister Buhre, wo er noch mal zu gewaltfreien Gegendemo aufrief, ging ich mal kurz zum Wesertor, wo die Neonazis auf der Weserbrücke angekommen waren. Auf der Weserbrücke also die Neonazis und am Wesertor die Antifa und andere Gruppen. Dazwischen eine Polizeiabsperrung. Hier war vom aktiven Ignorieren nichts zu spüren. Hier wurden von beiden Seiten Parolen über die Straße gerufen. Zum Beispiel „Haut ab, haut ab, ich muss meinen Rausch ausschlafen.“ ?-) Da habe ich dann auch keine Fotos gemacht, weil einige sich mit Schals, Kapuzen und Sonnenbrillen vermummt hatten. Die wollten wohl nicht abgelichtet werden, auch nicht auf einem Massenfoto.

Mein Kommentar:

Viele wollen die Neonazis nicht hier in Minden, gehen aber nicht zu den Gegendemos. Das nenne ich „Aktiv Ignorieren“.

Menschen, die vielleicht keine aktiven Neonazis sind, aber doch einige ihrer Parolen verinnerlicht haben, werden durch das mangelnde Interesse der Bürger ermutigt zu undemokratischem und unsozialem Verhalten. So zum Beispiel erst kürzlich meiner Frau widerfahren im Supermarkt, als jemand etwas ausländerfeindliches zu ihr gesagt hat. Warum traut der sich so etwas wohl an so einem Ort?

Klar kosten die Demos eine Menge Steuergeld. Aber die Behörden haben trotz Kritik die Neonazi-Demo genehmigt. Und wenn die Sache schon mal beschlossen ist, kann man auch hingehen, also zur Gegendemo natürlich. Es wird nicht billiger, wenn man weg bleibt. Die Polizei hatte da heute auch noch ein paar Stehplätze frei gehalten. Der Protest sollte nicht nur von überaktiven, jugendlichen Antifa-Gruppen ausgehen, sondern von der breiten Masse der Bürger.

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