Wie schon ohne die neuen Befugnisse des BKA unschuldige ins Fadenkreuz der Ermittler geraten dokumentiert ein Radiobeitrag vom SWR2 (rechte Maustaste: Ziel speichern unter).
Was war passiert? Eine Gruppe, die sich “Militante Gruppe” nennt hatte einige Autos angezündet und Bekennerschreiben hinterlassen. In diesen Bekennerschreiben kamen Wörter vor, die auch der Soziologe Andrej H. in seinen beruflichen Publikationen benutzt hat. Das reichte aus für einen “Anfangsverdacht” und er wurde fortan massiv überwacht und es gipfelte in der hollywoodreifen Stürmung seiner Wohnung durch ein bewaffnetes SEK mit anschließender Verhaftung.
Überprüft wurden während der Überwachung auch alle seine beruflichen und privaten Kontakte. So schnell kann es kommen. In diesem Fall war noch eine richterliche Instanz vorhanden, die die Überwachungen genehmigen musste. Das Paradoxe: Je weniger bei der Überwachung herauskam, desto länger und intensiver wurde überwacht.
Im Blog seiner Lebensgefährtin kann man nachlesen, wie sich das Leben der Familie durch die massiven Eingriffe in die Privatsphäre komplett verändert hat. Gruselig, wie sich die Personen bemühen mussten sich “nicht konspirativ” zu verhalten. Das bedeutete zum Beispiel, dass man bei Terminabsprachen per Telefon immer Ort und Zeit mitteilt, damit bei den Überwachern nicht die Alarmglocken angehen. Auch Witze oder ironische Bemerkungen bei Telefonaten mussten sich die Überwachten verkneifen.
Ist das da eine Kamera? Steht der Mann dort nur zufällig auf der anderen Straßenseite? Warum stützt mein PC immer ab? Wieso funktioniert mein Handy nicht richtig? Diese Fragen werden die Familienmitglieder noch lange im Kopf haben.