Der Herr Grupp von Trigema hat dem innovativ.in (siehe dort) ein kurzes Telefoninterview gegeben und sich dabei als Internetausdrucker geoutet und Twitter-Benutzer als Idioten bezeichnet:
“Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten.”
Damit hat er nun den Zorn der Internetgemeinde auf sich gezogen. Über Twitter, Blogs, Facebook und so weiter wird fleißig darüber kommentiert. Mal mit konstruktiver Kritik, meistens jedoch mit Häme, Spott und Beleidigungen. Dieses Phänomen nennt man neuerdings wohl shit storm.
Interessant in diesem Zusammenhang ist eine PM, woraus hervor geht, dass Trigema eine Agentur beauftragt hat, die die Firma im Social-Web vertritt, also Twitter, Facebook usw. Darin heißt es:
„Wir [Anmerk.: Trigema] wollten einerseits unseren Kunden einen weiteren Kanal zur direkten Kommunikation mit unserem Unternehmen geben, andererseits auch eine Plattform bieten, wo unsere Markenfans die Chance haben ihre Erfahrungen sowie Meinungen untereinander auszutauschen.”
Davon mal abgesehen finde ich es aber sehr konsequent, wenn man Twitter-Benutzer als Idioten bezeichnet und für seine Firma einen Affen twittern lässt. Twittern tut nämlich das Firmenmaskottchen der Schimpanse Mr. Chimp.
Nun kann man Herrn Grupp seine Aussagen nicht wirklich übel nehmen. Er ist ein Unternehmer der alten Schule, der seinen Job von die Pike auf gelernt hat und der wohl noch nie selber im Internet unterwegs war. Vielleicht gilt dies für den Hauptteil seiner Kundschaft. Seine eBusiness-Geschäftsführer konnten ihm wohl noch nicht erklären, wie das so funktioniert oder er wollte es nicht wissen.
Oft ist so ein shit storm auch wirklich begrenzt auf eine kleine Gruppe. Auch wenn es hunderte oder tausende gibt, die daran teilnehmen. Die große Masse bekommt davon gar nichts mit. Dumm wird es nur, wenn die negativen “Schlagzeilen” in der Google-Trefferliste auftauchen wenn man den Firmennamen eingibt und das vielleicht sogar über einen längeren Zeitraum. Oder wenn die Sache in die großen Medien überspringt. Das fängt dann mit Onlineausgaben von Spiegel/Focus usw. an und kann sich auch in den Printbereich ausdehnen.
Im Bereich social web, in den die Firma ja investiert hat, ist dieses Interview erst mal ein GAU. Kann aber auch eine Chance sein. Eine persönlich Stellungsnahme ist angekündigt. Warten wir mal ab. Vielleicht ist es ja auch eine geschickte virale Kampagne.
Links zum Thema:
Update 07.05.2010 Alles wieder Gut:
So, Herr Grupp hat einen offenen Brief an die Social Media Gemeinde auf Facebook veröffentlicht und auch innovativ.in hat schon wiederum darauf reagiert.
So wurde das Interview wohl verkürzt veröffentlicht. Was ich und wohl auch viele andere überlesen haben: In der Überschrift zum Interview stand: “Auf den Punkt gebracht”. Schön wäre aber noch ein Hinweis gewesen, dass das nur eine verkürzte Version des Interviews war.
Trotz der scheinbaren Abneigung gegen das Internet hat er doch korrekt reagiert. Er hat nicht, wie es in vielen anderen Fällen schon passiert ist, seine Anwälte losgeschickt um innovativ.in und alle die darüber gebloggt oder getwittert haben zu verklagen. Er hat seine Meinung auch nicht um 180 Grad gedreht, sondern seine Standpunkte erklärt. Ich glaube ihm sogar, dass er diesen offenen Brief persönlich geschrieben hat und nicht seine PR-Agentur. Jetzt kann er sich sein T-Shirt anziehen mit dem Aufdruck: “I survived a shit storm”.