Noch mehr Big Brother

Neben der Vorratsdatenspeicherung möchte Big Brother auch gerne PCs heimlich online durchsuchen. Erst mal hat der Bundesgerichtshof einen Riegel vorgeschoben. Aber eine Gesetzesänderung wurde von unserem Innenminister schon vorgeschlagen.

Wie soll das gehen mit dieser Online-Durchsuchung? Am wahrscheinlichsten wohl durch einen Trojaner, dem so genannten Bundestrojaner. Das heißt die Ermittlungsbehören installieren heimlich einen Virus auf dem PC eines in Verdacht geratenen. Virenscannern soll es verboten werden den Bundestrojaner zu melden oder zu löschen.

In Verbindung mit der Vorratsdatenspeicherung könnte dann ein (überspitztes) Szenario so aussehen:

Sie haben eine Spam-Mail mit dem Wort „Bombe“ darin erhalten. Der Spam-Absender gerät unter Verdacht und unter Beobachtung der Behörden. Sie als Empfänger damit erst mal auch und bekommen den Trojaner installiert. Zum Beispiel getarnt in einer offiziellen Mail irgendeiner Behörde. Die Ermittlungsbehörden haben dann Zugriff auf ihren PC und alle Daten solange der PC mit dem Internet verbunden ist. Soweit so gut. Man hat ja nichts zu verbergen. Vielleicht haben dann noch andere Behörden Interesse an ihren Daten. Zum Beispiel das Finanzamt. Oder Hacker haben die Funktionsweise des Bundestrojaners herausgefunden und nutzen diesen dann für ihre eigenen, illegalen Zwecke. Zum Beispiel um ihr Homebanking zu manipulieren. Das wäre dann schon dumm, oder?

Ich könnte mir aber die Sache auch gut ohne Trojaner vorstellen. Warum nicht gleich Microsoft per Gesetz dazu zwingen so eine Funktionalität ins Betriebsystem zu integrieren? Verschwörungs-Theoretiker meinen ja, dass so etwas schon eingebaut ist – in Windows Vista erst recht. Dann noch das Deaktivieren dieses Features unter Strafe stellen. Was dann auch für alle Softwarehersteller von Sicherheitssoftware gilt.

Tatsächlich ist so etwas ähnliches schon eingebaut, auch in Windows XP. Einfach mal die Windows-Hilfe im Start-Menü aufrufen und nach „Remote Desktop“ suchen.

Auch dieses „unter Strafe stellen“ und das Verbieten von Software, die das von Big Brother gewollte verhindert, gibt es schon. Im Entwurf der Vorratsdatenspeicherung ist so etwas schon drin. Dort soll dann nämlich Anonymisierungs-Software verboten werden. Auch ist heute schon das Kopieren von kopiergeschützten CD verboten und passend dazu der Verkauf/Besitz von Software die das trotzdem möglich macht. (Private Kopien dürfen sie also machen, sie dürfen es halt nur nicht.) Kauf von Musik hat nichts mit Big Brother zu tun? Wenn sie online DRM-geschützte Musik kaufen, weil Sie die von der geschützten CD ja nicht in ihren iPod & Co. bekommen, haben Sie mit dem DRM ein Big-Brother-Produkt der Musikindustrie gekauft. Theoretisch kann die nämlich durch die Produktbindung an eine spezielle Software (iTunes & Co.) feststellen, wie lange, wie oft und welche Musik sie abspielen und wie oft sie (versucht haben) diese zu kopieren und wohin. Theoretisch.

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