Journalisten sind gut in Deutsch und schlecht in Mathe

Gestern gab es auf MT-Online die Meldung, dass in NRW 2009 die Anzahl der Geburten zurückgegangen sein. Gleichzeitig berichtete heute.de, dass laut Zahlen von 2010 in Deutschland einen „Überraschenden Baby-Boom“ gab. Inzwischen ist der Artikel bei MT-Online nicht mehr zu finden und heute.de hat den Artikel komplett geändert. Die Überschrift lautet jetzt: „Nur verhaltene Euphorie über den Geburtenanstieg“.

Interessant, nicht? Die ursprünglichen Überschriften und Artikel suggerierten einmal einen Geburtenrückgang und einmal einen Geburtenanstieg. Auch wenn einmal über Zahlen von 2010 und einmal von 2009 und einmal über NRW und einmal über ganz Deutschland berichtet wurde, so fragt man sich als Bürger doch: Ist die Rate denn nun insgesamt höher oder niedriger?

Journalisten basteln sich aus irgendwelchen Statistikzahlen gerade die Meldungen, wie sie sie brauchen.  Auch die Schlussfolgerungen für die Gründe des selbst gebastelten Trends sind beliebig. Islamische Migranten? Von-der-Leyens Elterngeld? Oder vielleicht doch die Finanzkrise? Oder man nennt gar keine Gründe  und lässt den Leser selber spekulieren.

Dabei bedarf es nur einen kleinen Blick über den Tellerrand, also eigentlich nur einen Blick in die gleiche Statistik, nur über einen größeren Zeitraum, um etwas seriöser berichten zu können (siehe hier). Wenigstens hat heute.de (stark) nachgebessert. Aber wer ließt schon zweimal die gleiche URL?

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