JJACKO und der Bademeister (Update)

02.09.2009 Die Firma JJACKO (Name wurde von mir geändert), ein Sportartikelhersteller, geht derzeit durch alle Blogs. Die, bzw. deren Anwalt, hat nämlich den Betreiber eines Fußballblogs abgemahnt. Dort hat dieser ein bisschen über die Firma gefrotzelt. Der Blogeintrag ist jetzt natürlich schon weg, aber es ging wohl u.a. über einen Vergleich von JJACKO mit Lidl und Aldi. Das Wort „Schlurchmarke“ soll auch gefallen sein, was immer das bedeuten soll, und anderes.

Der Fußballblogger hat nach der Abmahnung brav den Artikel gelöscht und, nach einigem hin und her, auch eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Das Ganze kostete ihn (Abmahngebühr, eigener Anwalt usw.) ca. 2000 Euronen.Viele meinten er hätte eine gerichtliche Auseinandersetzung klar gewonnen, aber dies konnte sich der Blogger nicht leisten.

Jetzt war dieser unheilvolle Artikel aber schon in diversen Suchmaschinen und automatischen Archiven (sonst wäre JJACKO auch nie auf diesen gestoßen). Davon gibt es hunderte. Mein Blog hat zum Beispiel laut Log-Datei mehr Besuche von Suchmaschinen und ähnlichem, als von echten Menschen. Somit war natürlich auch nach dem Löschen des Artikels dieser an anderen Stellen im Internet als Kopie vorhanden. Das gefiel JJACKO bzw. deren Anwälten wohl nicht und so flatterte eine weitere Abmahnung, diesmal ging es wohl um weitere ca. 5.000 Euronen, ins Haus.

Nun, übertriebene Abmahnungen wegen Kleinigkeiten gibt es viele. Dementsprechend gibt es viele Blogeinträge über ungerechte und unnötige Abmahnungen. Aber hier hat JJACKO es geschafft sich aus der Masse herauszuheben. Denn hier wurde ein Blogger erneut abgemahnt, obwohl er bezahlt und den Artikel entfernt hat. Mit der Begründung, bei einem ganz anderen (sogar ausländischen) Webseitenbetreiber, auf dessen Angebot der Blogger gar keinen Einfluss hat, stünde ja sein Text noch.

Dieser abgemahnte Fußballblog ist ein ganz kleiner mit vielleicht 400 Lesern.  Warum wurde hier überhaupt abgemahnt? Ganz einfach. Wenn man bei Google JJACKO eingibt, soll halt nichts negatives erscheinen und ein bisschen verdienen will man vielleicht auch, jedenfalls die Anwälte.

Gibt man jetzt allerdings JJACKO ein, so erscheinen fast nur noch Seiten, die über diese Abzocke berichten.

Da liest man dann Überschriften wie:

  • Wie JJACKO anderen Leuten das letzte Trikot auszieht
  • Erste Abmahnung: 1085 Euro. Zweite Abmahnung: 5100 Euro. Imageverlust: Unbezahlbar!…
  • JJACKO – Neue Social Media Kampagne
  • JJACKO und der Streisand-Effekt
  • Eintracht-Ausrüster JJACKO schießt PR-Eigentor im Web
  • JJACKO – oder der Kampf gegen den Blogger-David
  • JJACKO zeigt wenig Sportsgeist
  • JJACKO: Willkommen in der Hall of Fail
  • usw. usw.

Interessanter Artikel zum Thema via Carta:

„… Statt Meinungsstreit wird eine Kultur der Einschüchterung gefördert. …“

Nachtrag 16.00 Uhr:

JJACKO hat es bis nach heise.de geschafft.

Und auch bei Spiegel-Online

(Websites von JJACKO und dem Bademeister sind wohl wegen Überlastung zur Zeit nicht erreichbar)

Auch lesenswert:

Der Anfang vom Ende der Abmahnanwälte? via ruhrbarone

Nachtrag 11.11.2009:

Interview mit Trainer Baade im Ballpod (mp3/podcast)

und:

„Die Einschüchterungsmaßnahmen gegen Sportblogger sollen den Status Quo einer Medienlandschaft erhalten, in der das Machtkartell von Verbänden, Clubs und Medien entscheidet, was dem Publikum serviert wird. Aus Angst vor Anwaltspost sind deutsche Sportblogger ziemlich zahm.“

via Carta

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