Heute ist System Administrator Appreciation Day. Passend dazu gibt es bei heise die besten Admin-Horror-Geschichten. Ich habe auch einige auf Lager:
Power-Down-Boy
Als ich noch als Azubi im Außendienst gearbeitet habe, war ich mehrfach Anlass für Stromausfälle. Jedenfalls sahen das die Kunden so.
Einmal kam ich in ein Büro und sollte den PC warten. Also kroch ich unter den Tisch, wo der PC stand. Dabei stieß ich an einen wirklich antik aussehenden Heizlüfter (es war Sommer). Dieser sprang plötzlich an und brannte dann durch, was zu einem Stromausfall im Büro führte. Die Personen im Büro sahen mich natürlich nur unter dem Tisch verschwinden, dann gab es keinen Knall, eine Rauchwolke und dann war alles aus. Klar, dass ich Schuld seinen musste. Als ich den Heizlüfter hervor zog, konnte sich niemand an diesen erinnern. Der musste dort schon seit Jahr und Tag eingeschaltet herumgestanden und irgendwann seinen Dienst eingestellt haben und ist erst durch mich wieder kurz ins Leben zurückgerufen worden.
Bei einem anderen Kunden stand ich mit einem fröhlichen “Guten Morgen” in der Bürotür und stellte meinen Service-Koffer neben mir auf den Boden. Genau auf einen Schalter, welcher alle Macs im Raum ausschaltete. Es gab also kein “Guten Morgen” zurück, sondern nur böse Blicke. Ich traute mich dann nicht mehr zu fragen, warum auf dem Fußboden, direkt neben der Tür ein Aufputzschalter geschraubt war. Später habe ich mir zusammengereimt, dass das Büro in einem denkmalgeschützten Gebäude war. Die Verkabelung war unter dem eingezogenen Holzfußboden verlegt und aus versicherungstechnischen Gründen (Brandgefahr) mussten wohl alle Geräte nach Feierabend zentral ausgeschaltet werden.
Ein paar Wochen später, beim gleichen Kunden, sollte der Server aufgerüstet werden. Ich wurde in den Raum mit dem 19″-Schrank geführt. Die gute Frau, die mich dorthin begleitet hatte, drehte sich um, ich öffnete den Schrank und zack war der Strom weg und zwar im ganzen Haus. Alle kamen angelaufen, weil sie wussten, dass ich im Haus war. Dauerte etwas bis wir herausfanden, dass die ganze Straße ohne Strom war. Einige blickten mich immer noch böse an, weil sie wohl tatsächlich glaubten, dass ich die ganze Straße lahm gelegt hätte. Ein Bagger hatte irgendwo eine Leitung gekappt.
Choleriker
Das waren meine “Lieblingskunden”. Aufregen wegen nix und selber keine Ahnung haben. So kam ich zu einem metallverarbeitenden Betrieb, wo die Datensicherung nicht mehr funktionierte. Das Gerät (soweit ich mich erinnere) ein Olivetti M24 (XT-PC). Wurde 1983 gebaut. Ich war glaube ich in der Ausbildung, also zwischen 1990 und 1993. Das Ding war also zwischen 7 und 9 Jahren alt. Das Diskettenlaufwerk war defekt (5 1/4″). Ich hatte ein neues dabei. Reparaturzeit vor Ort: 15 Minuten. Ich glaube die hatten sogar einen Wartungsvertrag und brauchen nix für den Einsatz zu bezahlen. Kam der cholerische Chef ins Büro und schimpfte herum, warum das Ding denn kaputt ginge. Seine Maschinen halten 50 Jahre und länger. Und so weiter. Ich hatte in großes Fragezeichen über dem Kopf. Zurück in der Firma bat ich meinen Chef mich nie mehr dort hinzuschicken.
Ein paar Wochen später musste ich aber wieder hin. Festplatte voll. Eine 20MB MFM-Festplatte. Auf dem PC lief “nur” die kaufmännische Software (ABF, FiBU, Lohn) und jetzt war das Ding halt mit Stamm- und Bewegungsdaten voll. Für Statistikläufe brauchte man eine gewisse freie Kapazität und Gott sei Dank warnte die Software rechtzeitig. Ältere Softwareversionen stützen dann einfach bei einem Verarbeitungslauf ab und die Dateien waren dann Schrott.
Will sagen: Alles im grünen Bereich. Software hat rechtzeitig gewarnt. Gerät und Daten OK. Nur ein Problem: Für MFM gab es glaube ich auch 40MB-Festplatten, aber nicht in dem alten XT. Die Controler für diesen Olivetti-PC konnten nur maximal 20 MB ansteuern. Bei einem AT (286) hätte man noch was machen können, aber nicht bei dem Ding. Ich sage also dem guten Mann: “Tut mir leid. Aufrüsten geht nicht mehr. Sie brauchen einen neuen PC.” Und dann ging es los. “Das Ding hat damals 15.000,- Mark gekostet. Sie können mir doch nicht erzählen, dass ich das jetzt wegschmeißen muss.” Und so weiter. Er redete sich so in den Zorn, dass er für meine Argumentation gar nicht mehr aufnahmefähig war: Ein neues Geräte kostet heute nur ca. 2.000 Mark und ist x-mal schneller und kann x-mal mehr speichern. Ist ein Wunder, dass der Olivetti PC in dieser Umgebung (Metallstaub überall!) überhaupt so lange fehlerfrei gearbeitet hatte. “Sie wollten mir nur einen neuen PC verkaufen.” Da wurde es persönlich und ich bin gegangen. So ein Schwachsinn. An den Kisten verdienten wir nur wenig. Wir verkauften die Software und die musste ja nicht neu gekauft werden. Außerdem war ich Techniker und kein Verkäufer und bekam für Hardware gar keine Provision. Er wollte sich in Zukunft woanderes seinen Computerservice holen.
Ende vom Lied: Ein paar Wochen später musste ich wieder hin und ein Software-Update installieren. Da stand ein neuer NoName-PC im Büro. “Na, ging wohl doch nicht aufzurüsten, oder?” “Ja, nee, nuschel, nuschel…”. Ich glaube das NoName-Teil hat aber nicht 7 Jahre in der Umgebung überlebt.
“Mein Sohn studiert Informatik”
Mein Lieblingssatz. “Mein Sohn studiert Informatik. Der kennt sich mit so was aus.”
In welcher Branche die tätig waren, weiß ich nicht. Auf jeden Fall machte Mutti die Buchhaltung zu Hause. Das Büro war gleich neben dem Partykeller. Der PC war glaube ich ein Olivett PCS 286 Desktop. Auch dort die Platte voll. Aber nicht, weil in das Ding schon seit 7 Jahren Daten reingehämmert wurden, sondern weil Sohnemann die Hälfte der Platte mit Spielen vollgepackt hatte. Ja, richtig: Die wichtigsten FiBu-Daten der Firma und raubkopierte Spiele auf dem gleichen PC. Auch hier: Aufrüstung nicht möglich. 40MB war das Maximum. “Mein Sohn sagt, da kann man noch eine zweite Platte anschließen.” Ich sage: “Ja, aber in das Gehäuse passt keine zweite Platte rein”. Das Ding war für damalige Verhältnisse sehr kompakt und hatte zwei 3,5″-Schächte. Einen für die Festplatte, einen für das Disketten-Laufwerk. “Mein Sohn studiert…” usw. Ich sagte: “Tja ist ja schön, wenn er eine zweite Platte dort einbauen kann, dann soll er es versuchen.” Dann musste ich mir noch etwas Gezeter anhören und dann das “Büro” verlassen.
Ende vom Lied: Auch hier kam ich einige Wochen später zum Software-Update. Auch hier stand ein neuer NoName-PC. Auch hier fragte ich: “Na, ging wohl doch keine zweite Festplatte rein?” “Ja, nee, nuschel, nuschel…”.
Fazit (von Dieter Nuhr): Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal die Schnauze halten.