Anti-Atomkraft

BUND Minden-Lübbecke: “AKW-Katastrophenschutzpläne werden verheimlicht”

Mehr als 300.000 BürgerInnen im Kreis Minden-Lübbecke betroffen

AKW Grohnde bei Hameln

Nicht nur das AKW Grohnde sondern auch Lingen 2 kann bei einem Reaktorunfall die BürgerInnen im Kreis Minden-Lübbecke gefährden, mahnt Lothar Schmelzer, Vorsitzender BUND Minden-Lübbecke. Die Analyse der Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben ergeben, dass Hotspots (Bereiche mit erhöhter Strahlungsintensität) weit über die räumlichen Grenzen von 25 km der Katastrophenschutzpläne hinausgehen, so Schmelzer.

BUND fordert Offenlegung des Katastrophenschutzplan

Der BUND Minden-Lübbecke fordert den Kreis auf, die Katastrophenschutzpläne des Kreises für die Atomkraftwerke Grohnde und Lingen auszulegen und ins Internet zu stellen.

Anlass ist die Auslegung aktualisierter Katastrophenschutzpläne im Umkreis von 25 km um die Atomkraftwerke Grohnde und Lingen 2. Nicht berücksichtigt wurden die Fernzonen von 25 km bis 100 km um die AKWs. Die BUND Kreisgruppe schließt sich den Forderungen von Robin Wood und Anti-Atom-Initiativen an, in 57 weiteren Landkreise und kreisfreie Städte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen Sachsen-Anhalt und Thüringen vorhandenen Katastrophenschutzpläne auszulegen.

AKW-Katastrophenschutzpläne werden vor 10 Mil. BürgerInnen verheimlicht

Im Umkreis von 100 km um Atomkraftwerke ist eine Versorgung der Bevölkerung mit Jodtabletten vorgeschrieben. Obwohl detailliert geplant ist, die Jodtabletten von den Feuerwehren über Wahllokale verteilen zu lassen, werden diese Pläne nicht ausgelegt, kritisiert Sigrid Quisbrok vom Aktionsbündnis”Bielefeld steigt aus” und damit vor 10.192.550 EinwohnerInnen verheimlicht.

Jodtabletten nicht nur für Kinder, Jugendliche und Schwangere

Dabei sollen in den Fernzonen von 25 km bis 100 km um diese AKWs Jodtabletten nur für Kinder, Jugendliche und Schwangere verteilt werden, moniert Dr. med. Angelika Claußen (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs, IPPNW). Nach den Erfahrungen der Atomkatastrophe von Tschernobyl ist es jedoch zu einem erheblichen Anstieg der Schilddrüsenkrebserkrankungen, auch bei Erwachsenen, gekommen. Deshalb fordert die IPPNW eine umfassende Jodtabletten–Bevorratung und Vergabe auch für Erwachsene im Umkreis von bis zu 100 km. Falls es in einem der Reaktoren jedoch zu einer Kernschmelze kommt, ist mit langanhaltenden radioaktiven Kontaminationen zu rechnen, so dass mehrfach Jodtabletten verteilt werden müssen.

Keine weiteren Katastrophenschutzmaßnahmen im Kreis Minden-Lübbecke

Weitere Katastrophenschutzmaßnahmen sind in der Fernzone nicht vorgesehen, obwohl die neue Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz nachweist, dass auch dort Maßnahmen wie der „Aufenthalt in Gebäuden“ oder eine Umsiedlung nötig werden könnten, kritisiert die BUND Kreisgruppe.

BUND Vorsitzender sieht eine besondere Gefahr vom AKW Grohnde ausgehend

Für besonders gefährlich hält BUND-Aktivist Schmelzer den Einsatz von Mischoxid-Brennelementen, wie sie in Grohnde bis 2004 verwendet worden sind und nun wieder verwendet werden sollen. “Diese sogenannten Mox-Elemente enthalten neben Uranoxid noch Plutoniumoxid”, so Schmelzer. “Plutoniumoxid ist noch wesentlich gefährlicher als Uran.”

Bedenken hat Schmelzer auch hinsichtlich einer anderen Sache: Die wird in Fachkreisen als “Sumpfsiebproblem” bezeichnet. Von dem Problem ist nach Ansicht von Atomkraftgegnern nicht nur Grohnde betroffen, sondern eine ganze Reihe von Druckwasserreaktoren. (MT berichtete darüber Ausgabe 16.03.2011)

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