„Bildung stört nur“ – beim Erstellen von Webseiten
Geschrieben von Oliver Hallmann in JournalNoch bevor der Begriff „Barrierefreiheit“ bekannt wurde, gab es den Konflikt. Damals streiteten sich aber nur Spezialisten, ob nun Webseiten als kleinsten gemeinsamen Nenner den Standard HTML haben sollten oder ob neue Technologien, wie JavaScript, Flash, VRML, Java und so weiter ohne weiteres Nachdenken eingesetzt werden dürfen. Diese Techniken, richtig eingesetzt, erweitern nämlich die Darstellungsmöglichkeiten und die Funktionalität von Webseiten, was Werbeagenturen und Marketingabteilungen begeistert. Natürlich ist es schön, wenn man bei einem Auto die Türen auf und zu klicken kann, statt sich nur ein Bild anzusehen. Blinden Besuchern ist das aber wohl relativ egal. Diese würden sich wohl mehr über einen beschreibenden Text freuen. (Und ja, ich denke blinde Menschen interessieren sich auch für Autos.).
Heute wird also bei Diskussionen über dieses Thema zusätzlich zu Stichwörtern wie „Systemunabhängigkeit“, „Sicherheitslücken“, „Ladegeschwidigkeit“ der Begriff „Barrierefreiheit“ in die Waagschale geworfen, mit der anhängenden, einleuchtenden Begründung, dass man ja behinderte Menschen nicht vom Informationshighway ausschließen darf.
Wenn Unternehmen meinen sie können ihr Internet-Marketing heute nicht mehr ohne Animationen, Sounds, Videos und andere Spielereien betreiben, kann man das sogar verstehen. Optionale textliche Informationen für Besucher, die den ganzen Firlefanz ausgeschaltet haben oder aus anderen Gründen gar nicht erleben, sind aber technisch ohne viel Aufwand machbar. Dumm ist, wenn solche Besucher beim Aufrufen einer Seite einfach gar nichts geliefert bekommen.
So geschieht es im Moment bei der Seite http://www.bildung-stoehrt-nur.de/. Mit ihrem Angebot wollen verschiedene Initiatoren auf die Missstände im Weiterbildungssystem aufmerksam machen. Hier wird also nicht für eine schickes, neues Produkt geworben, sondern hier werden Informationen angeboten, und zwar hauptsächlich in Textform. Unverständlich für mich, warum dann das gesamte Angebot im Flash-Format erstellt wurde. Ein Format was für Animation, Sound und aufwendige Interaktion benutzt wird und nicht barrierefrei ist. Das ist so, als wenn man jemandem eine E-Mail schicken möchte und dabei den Text mit einer Videokamera abfilmt und den Film dann als Dateianhang verschickt und den eigentlichen Mailtext leer lässt. Denn leer ist die Seite, wenn man diese aufruft und zum Beispiel das Flash-Plugin nicht installiert hat. Schade.
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