Stellt euch vor, es ist Weihnachten, ihr freut euch aufs Fest und steht vor eurer Kirche zum Festtagsgottesdienst. Und dann kommt jemand vorbei und beschimpft euch zum Beispiel mit “Nazi-Pack” oder “Juden-Mörder” oder ähnlichen deutschfeindlichen Ausdrücken und verjagt euch von der Kirche. Keine schöne Vorstellung, oder?

So ähnlich ist es aber meiner Frau heute, am Samstag Morgen, passiert. Heute ist nämlich einer der höchsten Feiertage im Islam: Id-Ul-Fitr, das Fastenbrechen am Ende des Fastenmonats Ramadan. Deshalb stand meine Frau heute mit einer Freundin vor der türkischen Moschee in Minden. Genauso wie viele Christen zum Weihnachtsgottesdienst gehen, so wollte meine Frau zum islamischen Festgebet in die Moschee gehen. Als sie mit ihrer Freundin vor der Moschee stand, kam ein blonder, deutscher, junger Erwachsener vorbei und beschimpfte die beiden als “Osmanisches Pack” und “Mörder”. Die Frauen fühlten sich bedroht, verließen die Moschee und gingen zurück zu ihrem Auto.

Der Mann war sicherlich nicht sehr helle in der Birne, aber das sind solche Leute ja selten. Er konnte zum Beispiel Asiaten nicht von Osmanen unterscheiden. Zwei allein auf dem Bürgersteig stehende Frauen anzugreifen lässt ihn auch nicht sehr heldenhaft erscheinen.

Trotzdem stellt sich erneut die Frage: Wo leben wir eigentlich? Das ist ja nicht das erste Mal, dass dies passiert. Es gab schon eine ausländerfeindliche Beleidigung bei uns im Lidl an der Stiftsstraße (durch einen Kunden). Es passiert am hellen Tage, an öffentlichen, durchaus belebten Orten. Die Leute mit braunem Gedankengut im Kopf scheuen sich nicht öffentlich Beleidigungen und Beschimpfungen auszusprechen. Neo-Nazis demonstrieren in Minden und der brave Mindener Bürger bleibt zu Hause statt zur Gegendemo des Bürgermeisters zu gehen. Denn: “Die gehen ja wieder von allein weg, wenn man sie nicht beachtet.”

Der Vorfall heute überschattet natürlich die sonst frohen Festtage. Meine Frau wird sich die nächste Zeit nicht mehr allein auf die Straße trauen. Armes Minden.

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