Zeitzeugin aus Fukushima in Minden

Frau Mieko Toyam aus Fukushima

Frau Mieko Toyam aus Fukushima

Am Sonntag, den 29. April 2012, ist Frau Mieko Toyama aus Fukushima zu Gast in Minden und wird als Zeitzeugin über das Leben in Fukushima nach der Katastrophe berichten und für Fragen zur Verfügung stehen.

Dies ist ein seltene, wenn nicht sogar einmalige, Gelegenheit hier in Minden direkt von einer Einwohnerin Informationen über die Situation und den Alltag in Fukushima zu erhalten.

Frau Mieko Toyama betreibt einen kleinen Bioladen in dem sie Gemüse aus dem Süden und Westen Japans verkauft. Die 52-jährige gründete die Initiative “Rettet Fukushimas Kinder vor Strahlung”.

Veranstaltung mit Rahmenprogramm

Ihr Vortrag wird von einem Rahmenprogramm begleitet. Dazu gehört eine Lesung des Rezitators Frank Suchland, Grußworte vom Landrat Dr. Ralf Niermann und dem stellvertretenden Bürgermeister Egon Stellbrink. Lothar Schmelzer vom BUND Minden-Lübbecke wird einen Multimedia-Vortrag mit dem Titel “Fukushima mahnt” halten.  Für die musikalische Begleitung sorgen White Man Molle und das Cellissimo Ensemble der Musikschule Porta Westfalica.

Der Mindener Mail-Art-Künstler Peter Küstermann wird Kunstmarken verkaufen, die 1991 zusammen mit Schülern und Studenten in Fukushima im Rahmen des MAIL ART FESTIVAL JAPAN entstanden sind. Der Reinerlös kommt den “Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima” für die anwesenden Gäste aus Fukushima zugute.

Nach den Darbietungen gibt es bei einem kleinen Imbiss die Gelegenheit zu Gesprächen mit Frau Mieko Toyama und den Künstlern und Gästen.

Die Veranstaltung findet am Sonntag, den 29. April 2012 um 17.00 Uhr in den Räumen der offenen Kirche St. Simeonis (32423 Minden, Simeonskirchhof, gegenüber der Fleischerei Geier) statt. Veranstalter ist der BUND Minden-Lübbecke. Der Eintritt ist frei.

 

Bubble Tea erobert Minden

Zwei neue Geschäfte in Minden

Update: Podcast über Bubble Tea (Culinaricast) in online.

In der Bäckerstraße 58 hat eine Filiale von BobaTime neu aufgemacht. Dort gibt es Bubble Tea, Milchshakes und Frozen Yogurt in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Das besondere sind die Boba-Perlen. Das sind kleine Kügelchen mit Fruchtsirup drin, welcher freigegeben wird wenn man die Kügelchen im Mund zerbeißt.

Ich hatte einen grünen Tee, der mit Mango-Sirup und gestoßenem Eis durchgeschüttelt wurde. Bei der Wahl der Perlen war ich nicht so experimentierfreudig und wähle auch Mango. Das war dann natürlich etwas unspektakulär.

Der Becher war randvoll und wurde oben mit einer geschweißten Folie verschlossen. Dazu bekommt man einen extra dicken Strohhalm, durch den dann auch die Perlen passen. Diesen sticht man eigentlich durch die Folie. Ich habe das natürlich nicht gemacht, sondern versucht die Folie abzuziehen und mir so einen Schwall des Getränks in den Schritt gespritzt.

Bis zum 30. März 2012 bekommt man auf alles 50%-Neueröffnungs-Rabatt. Wer also mal probieren möchte…

Öffnungszeiten (ohne Gewähr): Mo-Sa 10:30 bis 21:00 Uhr, So & Feiertage 11:30 bis 21 Uhr.

Auch in der Obermarkt-Passage

Am 17.03.2012 eröffnete ein weiterer Bubble-Tea-Laden im unteren Teil der Mindener Obermarkt-Passage, neben dem dortigen Asia-Imbiss. Auch hier gibt es 50% Rabatt – bis zum 30.03.2012.

Öffnungszeiten (ohne Gewähr): Mo-Fr 9:30 bis 19:00 Uhr, Sa 9:30 bis 18:00 Uhr.

Bubble Tea Obermarktpassage Minden

Siehe auch:

 

1 Jahr Fukushima – ein persönlicher Rückblick

Am 11. März 2011 passierte das was eigentlich unmöglich seinen sollte. In Japan begann eine Nuklearkatastrophe. Das ist jetzt ein Jahr her und seitdem hat sich bei mir einiges geändert.

Schon 2007 wechselte ich zu einem Öko-Stromanbieter. Die Gefahr durch Atomkraftwerke stand dabei noch nicht so stark im Vordergrund, sondern eher der Umweltschutzgedanke. Der Atomausstieg war ja auch schon lange besiegelt. Als dann 2010 die Laufzeitverlängerung der deutschen AKW beschlossen wurde fand ich das ungeheuerlich. Aber erst nach Fukushima ging ich das erste Mal zu einer Anti-Atom-Veranstaltung.

Am 14. März 2011 besuche ich die Fukushima-Mahnwache in Minden. Und dann war ich dort jeden Montag. Hier traf ich viele nette Leute. Junge und ältere. Einige, die schon seit Jahrzehnten gegen Atomkraft demonstrierten. Einige, die jetzt wieder dagegen auf die Straße gingen und auch einige, die zum ersten Mal an so einer Veranstaltung teilnahmen, so wie ich. Es wurden Kerzen angezündet für die Opfer der Erdbeben- und Flutkatastrophe, Protestlieder gesungen, Reden gehalten.

Es wurde aufgerufen den Stromanbieter zu wechseln und an meinem neuen Wohnort hatte ich das noch gar nicht gemacht. Ich verschob mein Sparguthaben zu einer Bank, die sich um Nachhaltigkeit bemüht. Ein 15-jähriger Schüler hatte auf einer der Mahnwachen einen Vortrag über die „Nuklear-Banks“ gehalten. Mein kleiner bescheidener Beitrag, den ich über ein Internetformular vom Sofa aus leisten konnte.

Wir störten den Bürgermeister im Rathaus bei seiner Rede auf einer e.on-Veranstaltung, die zufällig zeitgleich mit einer der Mahnwachen stattfand. Wir empfingen Herrn Röttgen in Minden, als er im Mai die Firma WAGO besuchte. Im März fuhr ich nach Hamburg zu meiner ersten Großdemo. Ostern fuhr ich zum von Minden 50 Kilometer entfernten AKW-Grohnde, im Mai nach Hannover, im Oktober wieder nach Grohnde und im November demonstrierte ich gegen den Castor-Transport in Gorleben/Dannenberg.

Zwischenzeitlich hatte Frau Merkel ihre Laufzeitverlängerung etwas zurückgeschraubt und acht Atomkraftwerke einfach mal so abgeschaltet. Herr Röttgen sucht jetzt in ganz Deutschland nach einer Lagerstätte für den Atommüll, den er aus der Asse wieder herausholen muss, den Müll der durch ganz Deutschland und Frankreich zu verschiedenen Zwischenlagern gekarrt wurde und den Müll, der die nächsten Jahre noch anfallen wird.

Ich bin dem BUND Minden-Lübbecke beigetreten und wurde so auf noch viele andere Themen aufmerksam gemacht. Zum Beispiel, dass es immer noch durch die Katastrophe in Tschernobyl kranke Kinder gibt und einige davon sich hier in Minden bei einem Sommeraufenthalt erholen können – dank der Tschernobylkinderhilfe Minden. Und ich habe auch gelernt, dass die so genannten „Ökos“ und die Vegetarier nicht verächtlich mit dem Finger auf einen zeigen, obwohl man Auto fährt und Fleisch isst. Aber man kann das Auto auch mal stehen lassen, nicht nur weil das Benzin teuer ist und man kann auch weniger Fleisch essen, denn die Massentierhaltung macht nicht nur die Tiere krank.

Mein Umfeld reagiert tolerant. Mit einigen habe ich über diese Themen diskutiert, aber mit keinem habe ich mich ge- oder gar zerstritten. Ich bin aber immer noch überrascht, dass ich immer wieder Leute treffe die mir einen Vogel zeigen wenn ich ihnen zum Beispiel erzähle, dass der Satzstock in Gorleben leer ist und der ganze dort bisher angelieferte Atommüll in Castorbehältern überirdisch in einer einfachen Lagerhalle steht und dass man bisher noch gar nicht weiß wie man ihn aus den Castorbehältern überhaupt wieder raus bekommen soll.

Am Sonntag bin ich dann auf der Anti-Atom-Demo in Hannover. Denn gerade hat Herr Röttgen den Solar-Ausstieg beschlossen. Es ist halt noch nicht vorbei. In Fukushima nicht und hier auch nicht.

 

ACTA – Worum geht es?

ACTA ist ein Handelsabkommen gegen Produkt-Piraterie. USA und Japan haben dies angestoßen und die EU-Staaten sollen dies unterschreiben. Im ersten Teil des Abkommens geht es erst mal, um ein Beispiel für Produkt-Piraterie zu nennen,  um den Container mit gefälschten Gucci-Taschen aus China. Das Abkommen fordert zum Beispiel hier Zollkontrollen, Beschlagnahmung und Vernichtung der gefälschten Ware und die Weitergabe von Informationen. Alles Sachen die in Deutschland schon geregelt sind, aber halt in anderen Länder noch nicht bzw. nicht in diesem Umfang.

Es enthält aber auch Regeln, die einen Eingriff in den bzw. eine Überwachung des Internetverkehrs beinhalten. Gerechtfertigt wird dies mit dem Schutz des Urheberrechts bzw. den Schutz des s.g. „Geistigen Eigentums“. Hierbei geht es also um illegale digitale Kopien von geschützten Werken, wie zum Beispiel Filmen, Musik, Texten oder Büchern.

Geheimsache

Bereits seit Jahren wurde  dieses Handelsabkommen entwickelt. Kritisiert wird dabei, dass dies im Geheimen geschah mit starker Beteiligung von Lobbyisten. Auch jetzt liegt nur die entschärfte Endfassung den Parlamenten und der Öffentlichkeit vor. Dabei sind viele Paragrafen so schwammig formuliert, dass einige diese harmlos finden, andere wiederum daraus mögliche schwere Eingriffe in den Internetverkehr und damit in die Freiheits-, Grund- und Persönlichkeitsrechte ableiten. Denn in den vorherigen Versionen sollen sehr wohl klare Forderungen enthalten gewesen sein, wo zum Beispiel Netzüberwachung und Sanktionen gegen Internetbenutzer unter Umgehung des üblichen Rechtsweges gefordert wurden. Diese zusätzlichen Informationen, z.B. über den Verhandlungsverlauf, die wichtig sind um eine Interpretationen zu ermöglichen, sind immer noch geheim.

Abkommen nachträglich änderbar

Hinzu kommt, dass in dem Abkommen ein Ausschuss erwähnt wird, der die Möglichkeit haben soll nachträglich die Vereinbarungen zu ändern.  So ist es schon möglich die schwammigen Paragrafen zu spezifizieren oder ganz neue Vereinbarungen aufzunehmen.

Wohin soll der Weg gehen?

Seit Jahren wird eine Reform des Urhebergesetzes und den damit verbundenen Gesetzen gefordert, um einen fairen Ausgleich zu schaffen zwischen den Interessen der Künstler, der (Content-) Industrie und den Konsumenten. ACTA steht nur für die Interessen der Industrie und für das Festhalten an ein veraltetes Urheberrecht. Die Interessen der Industrie sollen sogar über die Interessen der Internetbenutzer und somit der Bürger gestellt werden. Am liebsten wäre es der Industrie, wenn Bürger direkt durch die Internetanbieter überwacht und ggf. abgestraft werden.  Verständlich, dass dies von vielen als viel zu überzogen und als Angriff auf die Freiheit im Internetdatenverkehr gesehen wird.

Weitere Links:

 

Herd-Battle Bratkartoffeln

Das Video von der Bratkartoffel-Battle in Minden

Sven vom Culinaricast-Blog hat ein Video gemacht, in dem er zeigt wie seiner Meinung nach Bratkartoffeln gemacht werden und dies u.a. bei Facebook gepostet. Kurz darauf entbrannte dort eine wilde Debatte über die beste Zubereitungsmethode.

Auch der Betreiber des Grill-Dorado in Minden brachte seine Kritik ein, worauf hin Sven ihn zu einem Wettbraten herausforderte. Wie zwei Boxer vor dem Kampf lieferten sich dann die beiden einen verbalen Schlagabtausch, der natürlich nicht so ganz ernst gemeint ist. Allerdings sind wohl beide gewillt sich der Herausforderung zu stellen.

Der Grill-Dorado-Chef sieht sich vorne mit seinem Gas-Herd worauf er Bratkartoffeln in 5-7 Minuten bei großer Hitze herstellt. Sven sagt, Bratkartoffeln brauchen ca. 20 Minuten bei mittlerer Hitze um perfekt und knusprig zu werden.

Um die Stimmung weiter anzuheizen hat Sven sogar einen Battle-Song als Musikvideo aufgenommen.

Die Battle fand dann am 31. März 2012 im Grill-Dorado statt. Alle Videos des Events  findet man im Culinaricast-Blog.

 

Weniger Fleisch essen

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BSE, Gammelfleisch, Dioxine, PCB, Antibiotika, Resistente Keime. Keiner möchte das auf seinem Teller haben. Wir erinnern uns. Im Mai 2010 Dioxin in Eiern und ein halbes Jahr später noch einmal. Jetzt gerade kürzlich fand man resistente Keime im Geflügel. Die Verbraucher reagieren nach solchen Meldungen und kaufen einige Zeit lang weniger Fleisch ein. Die Politik verspricht zu handeln. Hier und da ein Stempelchen mehr, irgendwelche zusätzlichen Kontrollen werden eingeführt, aber immer wieder gibt es neue Skandale. Das Grundproblem bleibt dabei erhalten und wird sogar weiter gefördert und subventioniert – die massenhafte, industrielle Fleischproduktion.

1 Kilo Gehacktes für 3,79 Euro

Aus der Werbebeilage eines Supermarktes hier in Minden von heute: 1000g Gehacktes für 3,79 Euro. Und 70 Prozent des Schweinefleisches wird über Rabattaktionen verkauft. Da greift man gerne zu. Das geht natürlich nur mit Tierfleischfabriken, Massentierhaltung, Kraftfutter und Medikamenteneinsatz. Der Verbraucher will es wohl so.

Ich esse gerne Fleisch. Auch gerne Hamburger, Döner und Putenschnitzel. Fast kein Gericht ohne Fleischbeilage oder besser Fleisch mit Beilage. Aber brauche ich so viel Fleisch? Das fragte mich letztes Jahr auch ein Reporter von Radio Westfalica, der mich in der Stadt mit einem Döner in der Hand erwischte. Das war glaube ich zu der Zeit des Futtermittelskandals, wo ein Hersteller belastetes Maschinen-Schmierfett ins Kraftfutter gemischt hatte. Damals hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, wie so viele. Aber eingeschränkt habe ich meinen Fleischkonsum damals wieder mal nicht wirklich.

Wir haben es satt

Jetzt gab es wieder einen Tierfleischskandal. Gegen Antibiotika resistente Keime in jedem zweiten Geflügel, hervorgerufen durch zu viele Antibiotika u.a. im Futter, also für den gesamten Tierbestand und nicht nur für einzelne kranke Tiere. Durch BUND und campact erfuhr ich von der Demonstration “Wir haben es satt” in Berlin wo es unter anderem auch um dieses Thema ging, aber auch um viele andere Aufreger. Und je mehr ich mich informierte, desto mehr fasste ich den Entschluss jetzt doch mal darauf zu achten weniger Fleisch zu essen. Das mache ich jetzt seit knapp zwei Wochen und es ist tatsächlich kein großes Problem. Man muss ja nicht gleich zum Vegetarier werden oder nur noch alles im Bio-Markt kaufen. Aber ich habe mir nach der Teilnahme an der Demo schon vorgenommen auch mehr zu Bioprodukten zu greifen.

 

 

 

Transaktionssteuer – Überholte Argumente

Heute morgen habe ich kurz das TV eingeschaltet. Morgen-Magazin oder Nachrichten, weiß ich nicht mehr, habe noch halb geschlafen. Da war dann wieder so ein Experte oder Politiker, der erklärte warum diese Transaktionssteuer nicht funktionieren wird.

Wenn also nur Deutschland und Frankreich so etwas einführen, dann würden ja die Akteure zu anderen Handelsplätzen abwandern, wo diese Steuer nicht anfällt. Die Schweden hätten das ja schon mal gemacht und da ist dann genau dies passiert und viel gebracht hat es dort deshalb nicht. Das leuchtet natürlich jedem ein.

Allerdings liegt in Brüssel schon seit über einem viertel Jahr ein Vorschlag für eine Transaktionssteuer, die unabhängig vom Handelsplatz ist. Bei diesem Vorschlag werden die Finanzakteure besteuert und zwar je nach dem wo sie ansässig sind. Wenn also ein Finanzakteur in Deutschland ansässig ist und in London eine Transaktion durchführt, dann muss er dafür in Deutschland die Transaktionssteuer abführen, auch wenn London bei der Transaktionssteuer nicht mit macht. Damit gäbe es keine Wettbewerbsverzerrung bei den Handelsplätzen. Für einen deutschen Finanzakteur wäre es dann egal, ob er mit seinen Papierchen in London, Paris oder Frankfurt Casino spielt. Er müsste immer in Deutschland seine Steuer bezahlen. Einen Handelsplatz zu wechseln ist einfach, seine Ansässigkeit zu ändern wäre aufwendiger.

Also wenn man schon über die Finanztransaktionssteuer redet, dann sollte man nicht mit überholten Argumenten kommen. Und die Redakteure und Journalisten sollten dann mal nachhaken: “Herr sowieso, was halten sie denn von einer Besteuerung von Finanzgeschäften nach dem Ansässigkeitsprinzip, so wie es EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta bereits im September 2011 vorgeschlagen hat?” Das hat mich heute morgen schon ein bisschen aufgeregt.

Siehe auch: Diskussion um Transaktionssteuer  (Süddeutsche)

 

Großdemo in Dannenberg – Castor 2011

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Der Atomausstieg ist beschlossen – mal wieder. 1977 fiel die Standortentscheidung für ein mögliches Atomüllendlager auf Gorleben. Seit dem wurde viel protestiert. Jetzt soll angeblich die Standortsuche neu beginnen.  Ist es nicht verständlich, dass es Leute gibt, die das, nach all den Jahren und dem Hin und Her, nicht so ganz glauben können?

Der Castor-Zug rollte wieder durch Frankreich und Deutschland. Anlass dagegen zu demonstrieren. Hier möchte ich jetzt einmal beschreiben, wie ich die Großdemo in Dannenberg, an der ich teilgenommen habe, erlebt habe.

Man sieht und hört viel über Chaoten, Steinewerfer usw. In fast jedem Artikel steht dies in der Überschrift oder in der Einleitung. Es entsteht in den Köpfen das Bild von den gewaltbereiten Demonstranten, von Wasserwerfern, Kesseln, Verletzten. Wie kann man an so etwas teilnehmen? Wenn ich in meinem Bekanntenkreis berichte, dass ich auch in Dannenberg – ach nein, das können viele nicht einordnen. Wenn ich berichte, dass ich in Gorleben war, dann wird schon komisch geschaut. “Ist das da nicht gefährlich?” Dazu muss man wissen, dass es bei solchen Anti-Atom-Demonstrationen immer korrekt bei den Behörden angemeldete und von Polizei und Veranstaltern durchgeplante, so genannte Familien- bzw. Kind-und-Kegel-Demonstrationen gibt. Das sind dann die mehrheitlichen, friedlichen und ganz “normalen” Bürger, von denen man dann ein paar Absätze weiter unten in den Zeitungsartikeln lesen kann.

Seit der Rücknahme des ersten Atomausstiegs und dann nach Fukushima war ich auf meinen ersten Anti-Atom-Demos überhaupt. Mahnwachen in Minden, auf einer Großdemo in Hamburg, zwei Mal am AKW Grohnde. Immer traf ich nur nette Leute, die friedlich, bunt und gut gelaunt von ihrem Demonstrationsrecht bei angemeldeten Demos Gebrauch machten. Und auch die Staatsgewalt, sprich die Polizei, habe ich immer freundlich und bürgernah dort erlebt. Und trotzdem – Gorleben – da habe ich im Vorfeld viel gehört und gesehen in den Medien. Obwohl ich genau wusste, dass ich da ja zu einer ganz normalen Demo unterwegs war, hatte ich doch ganz weit hinten im Hinterkopf ein ungutes Gefühl.

Bei der Gruppe vom BUND Minden-Lübbecke, die die Busfahrt nach Dannenberg organisiert hatte, fühlte ich mich aber gut aufgehoben. Jede Busreisegruppe bekam von den Organisatoren der Großdemo ein Bus-Paket mit Broschüren und Informationen. Es war alles perfekt organisiert und hatte so gar nichts mit Chaos zu tun. Es gab einen Ortsplan, wo eingezeichnet war, wo man ein Info-Zelt findet, die Busparkplätze, die Kundgebungsstätte, die Demo-Startpunkte, eine Übersicht über den zeitlichen Ablauf. Wobei Dannenberg jetzt kein großer Ort ist. Eigentlich ist er recht überschaubar.

Es gab ein Info-Zelt, ein Wickelzelt, eine Pressestelle, eine Batterie Dixi-Toiletten und rund um den riesigen Acker, wo Reden gehalten und live Musik gespielt wurde, gab es zahlreiche Stände mit Verpflegung.

Dies hatte überhaupt gar nichts mit den Bildern zu tun, die man jetzt in den Medien sieht. Sicherlich, Sitzblockaden, Schottern und Chaoten hat es gegeben, dazu mehr im zweiten Teil, aber nicht hier. Und hier waren laut Polizei 8.000 Menschen, laut den Veranstaltern 23.000. Die genaue Zahl liegt wohl irgendwo dazwischen.

Als wir in Dannenberg eintrafen, half uns ein Ordner den richtigen Parkplatz für unseren Bus auf einem Autohof zu finden. Von dort aus gingen wir zur “Esso-Wiese” – ein Platz im Ort direkt gegenüber einer Esso-Tankstelle. Hier gab es das Infozelt und den Presse-Bauwagen und in den weiteren Zelten wurde gekocht. Gesundes, alternatives Essen natürlich. Ich konnte Gespräche mithören wo gefragt wurde: “Sind die Zutaten containert?” Nein, waren sie nicht. Sie stammten von Bauern aus der Region. Und obwohl bodenständige Gerichte mit saisonalen Zutaten verspeist wurden konnte ich von  Medienvertreter überrascht hören: “Das schmeckt aber gut.”

Clowns waren auch dort. Sie hatten ein Transparent mit dem Schriftzug “Grenzwerte”, liefen durch das Publikum, hielten den Schriftzug hoch und riefen in ihrer kindlichen Clownssprache: “Grenzwert hoch!” und dann abwiegelnd. “Ist nicht schlimm, ist nicht schlimm”, wohl um darauf aufmerksam zu machen, dass man ja einfach mal die Grenzwerte erhöhen kann, wie geschehen u.a. in Fukushima.

Ich blieb auf dieser Esso-Wiese, bis der eigentliche Demozug dort vorbei kam und dann ging es Richtung Kundgebungsstätte. Ein riesiger Acker am Ortsrand von Dannenberg mit einer Bühne, über 400 Trecker aus der Region, die ich am Anfang gar nicht gesehen habe, weil das Gelände so groß war und ringsherum viele Stände mit Verpflegung und anderen Sachen. Eine Band spielte Reggae-Musik mit kritischen und lustigen Texten, ein Moderator machte Stimmung.

Da ich Fotos machen wollte, ging ich immer umher. Mal war ich vorne an der Bühne, mal hinten, mal an den Seiten und so fort. Da waren keine Chaoten. Auch die Polizei war dezent vertreten. Ich habe nur zwei Beamte auf dem Acker gesehen, die auf der Brust die Aufschrift “Polizeisprecher” trugen. Auf den Straßen ringsherum standen Mannschaftswagen mit Beamten, aber die regelten hauptsächlich den Verkehr oder hatten gar nichts zu tun. Auch gab es keinen Alkoholkonsum. Ich habe unter diesen tausenden von Leuten einen einzigen Betrunkenen gesehen und ich bin wie gesagt ständig umher gegangen.

Auf der Bühne bekamen verschiedene, zugereiste Gäste das Wort. U.a. ein Mann aus Tansania, der von den Bedingungen berichtete unten denen dort Uran abgebaut wird. Ein Gast aus Fukushima, die von ihren Erlebnissen berichtete und es wurde eine Aufzeichnung von einem Mädchen abgespielt, die den Castor aufhalten wollte, sich auf den Schienen angekettet hatte und dann vor Gericht stand. Sie bekam eine Geldbuße, die sie aber nicht bezahlen wollte und deshalb ist sie nun im Gefängnis. Konservative würden wohl sagen, dass ihre Worte etwas uneinsichtig klangen.

Ich besorgte mir noch Rosmarin-Kartoffeln mit Quark – Erlös ging an die Bürgerinitiative vor Ort – stellte mich bei den Dixiklos an und machte mich dann auf den Weg zum Bus. Auf dem Weg dorthin gab es ein Gasthaus, welches draußen Glühwein für einen Euro anbot. Und ich setzte mich kurz und kam sofort ins Gespräch mit anderen Gästen. Wo hat man das heutzutage noch. Auf der Rückfahrt hörten wir im Bus “Radio Republik Freies Wendland”, welches über den örtlichen Lokalsender ausgestrahlt wurde. Mit den neusten Informationen über den Castor und live Telefon-Interviews von den Sitzblockarden. Aber zu der Zeit war der Castor-Zug noch weit entfernt…

 

 

Occupy Minden – Protestaktion in der Innenstadt

Occupy Minden

Occupy Minden

Am Samstag, den 12. November 2011, fand eine Protestaktion der lokalen Gruppe ‘Empört euch!’ (occupy Minden) von 12 bis 14 Uhr an der Martinitreppe/Rathaus statt. Am offenen Mikrophon hatten Teilnehmer und Passanten Gelegenheit über Sorgen, Nöte oder den eigenen Unmut zu sprechen.

Ich habe auch vorbei geschaut und Fotos gemacht. Engagiert und sympathisch machten die Veranstalter auf ihre Sache aufmerksam. Es gab spontan improvisierte Gesangsdarbietungen mit Trommlerunterstützung (Video), welche die Passanten neugierig machte, es wurden kritische, aber dennoch unterhaltsame Gedichte, Geschichten und Zeitungsartikel zu den verschiedenen Themen vorgetragen und es gab natürlich das Lieblingsgebäck der Bankster: Spekulatius.

Einen ausführlichen Bericht über die Aktion findet man auf den Webseiten der Mindener Rundschau.

Die Gruppe findet man auch über Twitter und Facebook.

Occupy Hannover

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Es brodelte schon lange. Die Bänker bauen Mist, der Steuerzahler muss es ausbaden und die Finanzmanager gönnen sich saftige Extra-Boni. Eigentlich hätten damals schon viele Leute mit Schildern auf der Straße stehen müssen. In New York haben sie es dann getan. Und dann verbreitete sich der Protest in den gesamten USA, aber auch in der ganzen Welt. Überall diktiert die Bankenlobby die Politik. Die Gier regiert – auch in Europa, auch in Deutschland.

Heute ist es die Top-Nachricht bei Tagesschau und den heute-Nachrichten. Die Bürger protestieren auf den Straßen. In Berlin waren es 10.000, in Frankfurt 8.000. Ich war in Hannover dabei. Dort gab es ca. 300 bis 500 Teilnehmer. Natürlich friedlich. Bürgern wurde die Gelegenheit gegeben nicht nur mit Plakaten und Schildern ihren Unmut zu äußern, sondern sie wurden auch ans Mikrofon gerufen. Danach gab es einen Protestzug durch das Bankenviertel in Hannover.

Was mir in Hannover besonders gefallen hat, war die klare Anweisung Fahnen von Parteien und Organisationen wieder einzurollen. Denn es ist ja ein reiner Bürgerprotest.

Weitere Infos rund um das occupy-Thema: